- Project Runeberg -  Arkiv for/för nordisk filologi / Fjortonde Bandet. Ny följd. Tionde Bandet. 1898 /
211

(1882) With: Gustav Storm, Axel Kock, Erik Brate, Sophus Bugge, Gustaf Cederschiöld, Hjalmar Falk, Finnur Jónsson, Kristian Kålund, Nils Linder, Adolf Noreen, Gustav Storm, Ludvig F. A. Wimmer, Theodor Wisén
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Full resolution (TIFF) - On this page / på denna sida - Nekrolog: Julius Hoffory (Andreas Heusler)

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Heusler: Nekrolog.

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einem recht robusten Gemütsleben. Bin Grundzug seiner Natur
war die ruhige ironische Betrachtung. Der Humor gehörte bei
ihm zur innersten Weltanschauung. Br liebte es, seinem eigenen
Auftreten humorvolle Züge zu leihen und seine Gedanken neckisch
zu maskieren; seine Gespräche und Briefe waren durchzogen von
reizvoller Selbstironie und erfindungsreichem Spott über Freund
und Feind. Dem stand gegenüber ein ungemein starkes
Bedürf-niss der Heroenverehrung: wie er in seinen Schriften vor Brücke
und Müllenhoff steht, so im Leben vor Shakespeare, Goethe,
Bismarck, Ibsen. Auch seine Wissenschaft umfasste er mit
andächtigem Idealismus; als eine ’Vermählung von Kritik und Phantasie’
war ihm die Philologie die Führerin durchs Leben.

H. war ein Kultur- und Grossstadtmensch, ein Mann des
Nordens und der Ebene. Br brauchte Menschen um sich — auch
solche, mit denen er nur spielte. Und er brauchte das Theater;
auch ab und zu ein gutes Dmer. Seine Lebensauffassung war
läss-lich, genussfroh. Er war large gegen sich selbst wie gegen seine
Freunde und des ’carpe diem’ eingedenk. Aber er war immer
ebensosehr Betrachter wie Geniesser. Er hatte einen sehr scharfen
Blick fur das Charakteristische in Kunst und Leben, und die Gabe,
das Geschaute in prägnante Sätze zu fassen. Hinter seinen
Urteilen stand ein souveräner Geist, der sich bewusst war, anders zu
sein als die andern, und manchmal mit der Paradoxic Ernst
machte aus instinktiver Scheu vor dem Landläufigen. — H. hatte
eine vornehme innere Kultur. Seine geistige Genussfähigkeit war
nicht sonderlich vielseitig, aber sehr fein entwickelt. Seine
allgemeine Bildung war wesentlich litterarisch. Br folgte in der
Litteratur stark ausgeprägten Zu- und Abneigungen; seine Auswahl
war die des Feinschmeckers. Unter Goethes Lyrik waren sein
Liebling die ’Aeolsharfen’. Br betonte öfter, dass das Aufwachsen
mit Holberg dem Kunstgeschmack des Dänen von Anfang an eine
andre Richtung gebe, als der Deutsche sie von Schiller empfange;
und er schrieb einmal (11. 9. 87): "ich halte es für ein grosses
Glück (ganz ohne Phrase: in geistiger Hinsicht für das grösste
Glück meines Lebens), dass ich erst in reiferen Jahren mit Schiller
Bekanntschaft gemacht habe".

Der psychologisch-ästhetische Betrachter war Hoffory auch
der Politik gegenüber. Ihn interessierten die starken, kernigen
Persönlichkeiten. Seine Gesinnung war schon Schönheits halber
aristokratisch-monarchisch. Seine Bewunderung für das deutsche
Reich und für Preussen mit seiner aufstrebenden Kraft gieng so
weit, dass sie zuweilen an Chauvinismus streifte.

Als Gesellschafter hatte H. verbindliche, anmutige Formen.
Seine Gewandtheit, die verschiedensten Elemente zum Sprechen zu
bringen; sein unaufdringlicher Reichtum an Erlebtem und
Gedachtem, Ernstem und Heiterm; dazu* seine Begabung, scherzhafte

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