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36 BRUNO CLAUSSEN
Leben des Heiligen Brandan selbständig erschienen ist und nicht einen Teil
eines grösseren "Werkes bildete. Die Type ist die sogenannte Weigeltype
Snells, andere Typen oder Initialen kommen in den erhaltenen Bruchstücken
nicht vor. Der Druck hat 33 Zeilen, die Höhe des Druckspiegels beträgt
131 mm, die Breite ca 85 mm. Die Interpunktion ist fast nur der Punkt,
doch kommt das Komma und das Kolon einige Male vor. Danach1 würde
der Druck in das Ende des Jahres 1481 oder in den Anfang des Jahres
1482 zu setzen sein. Ob eine Signatur vorhanden war, lässt sich aus den
erhaltenen Fragmenten nicht feststellen. Der Druck hat 16 Blätter umfasst,
zwei Lagen zu je 8 Blättern. Erhalten sind Bruchstücke von Blatt 9, 11,
14 und 16. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Druck einen Titel gehabt
hat und dass der Text auf Blatt 1 b begann.
Diese Feststellungen über den Umfang des Druckes lassen sich mit
ziemlicher Sicherheit machen, da Snell für seinen Text eine Vorlage hatte,
die uns erhalten ist. Die Legende vom Heiligen Brandan ist von Carl
Schröder2 einer genauen Untersuchung unterzogen worden. Er kennt zwei
niederdeutsche Bearbeitungen der Legende, eine gereimte, die nur in Handschriften
vorliegt, und eine in Prosa, die in einer Anzahl Heiligenleben Aufnahme
gefunden hat. Diese Heiligenleben sind alle in Lübeck entstanden oder doch
den Lübecker Ausgaben nachgedruckt. Schröder3 kennt nur die
Heiligenleben, die 1488, 1492, 1499 und 1507 in Lübeck und 1511 und 1517 in Basel
gedruckt wurden, aber schon das älteste Lübecker Passional, das Lucas
Brandis ca. 1478 druckte, hat schon die Brandanlegende aufgenommen1. Es
bildet hier das letzte Stück des eigentlichen Passionais und scheint von
Brandis hinzugefügt worden zu sein, während der übrige Teil des Buches
eine Übertragung eines älteren hochdeutschen Heiligenlebens ins
Niederdeutsche ist. Dieser Text hat ohne Zweifel Johan Snell bei seiner Ausgabe
als Vorlage gedient. Die kleinen sprachlichen Abweichungen erklären sich
aus dem Gebrauch der Drucker jener Zeit, die meist in sehr freier Weise
die Vorlage nach ihrem Gutdünken zurechtstutzten.
Ich gebe im Folgenden eine Gegenüberstellung eines Abschnittes aus dem
Passional von 1478 und dem Einzeldruck, um die Abhängigkeit zu
veranschaulichen :
1 Vgl. Lange, a. a. O., S. 16.
2 Carl Schröder, Sanct Brandan. Ein lateinischer u. drei deutsche Texte.
Erlangen 1871.
a a. a. O., S. XVII.
4 Ich verdanke diesen Hinweis Herrn Dr. I. Collijn.
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