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58 KONRAD HAEBLER
fassen 12 Blatt in 2 Lagen und haben je 8 Zeilen eines 4-zeiligen
Notensystems mit unterlegtem Text auf der Seite.
Die Druckausstattung dieser Teile ist nun aber durchaus nicht
unbekannt. Der Text der Cautelae ist in der Type 7 des Konrad Kachelofen
gedruckt. Die Missaltypen sind Type 8 und 9 desselben Druckers, mit denen
er auch seine Missalia für Meissen hergestellt hat. Der Notendruck
entspricht gleichfalls dem, wie er sich in der Kachelofen-Lotterschen Officin in
Leipzig vorfindet. Erst im Jahre 1515 geht Lotter dazu über, seinen
Notendruck enger zu gestalten, sodass er 9 Zeilen auf jeder Seite unterbringt.
Wenn noch ein Zweifel bestehen könnte, dass wir es wirklich mit einem
Druck des Konrad Kachelofen zu tun haben, so würde er beseitigt werden
durch die Vergleichung der Lombarden. Beide Alphabete, sowohl das
kleinere von ca. 8 mm, als besonders das grössere von ca. 16 mm haben
ziemlich charakteristische Formen und kommen so ausser bei Kachelofen nur
noch bei Georg Stuchs in Nürnberg vor, der aber für den Druck dieser Teile
deshalb nicht in Frage kommt, weil ihm die Texttype der Cautelae gefehlt
hat. Bei anderen Druckern sind die leicht wiederzuerkennenden Lombarden
nirgends verwendet worden. Es kann deshalb als ein wandsfrei erwiesen
gelten, dass diese Lagen des Missale Lubucense von Konrad Kachelofen in
Leipzig oder höchstens von seinem Schwiegersohn und Nachfolger Melchior
Lotter hergestellt sein müssen.
Dagegen ist nicht daran zu denken, dass nun deshalb Kachelofen oder
Lotter auch das ganze Missale gedruckt haben sollten. Die von den
Leipziger Druckern verwendeten Alphabete sind auch für das 16. Jahrhundert so
eingehend untersucht, dass es undenkbar ist, dass sie Typen wie die im
ersterwähnten Teile verwendeten besessen haben könnten. Ihr Typenvorrat
ist eng begrenzt, formell unbedingt von Nürnberg abhängig, und wenn auch
Kachelofen in seinen Erstlingswerken Typen verwendet hat, die mit anderen
Schulen in Zusammenhang stehen, so ist doch darunter keine, die Anklänge
an die Missaltypen des Lubucense aufwiese. Auch von den vielen
Initialarten des Lubucense kommt keine bei Kachelofen vor. Das Rätsel des
Ursprungs dieses Missale wird also durch diese Stücke noch nicht wesentlich
geklärt.
Das geschieht ebenso wenig durch die dritte Gruppe, aus der das
Missale besteht, durch den Kanon. Von den drei Exemplaren des ’Lubucense
hat das eine überhaupt keinen Kanon. Die beiden anderen aber haben zwei
ganz verschiedene Kanondrucke, und ebenso verschiedene Kanonbilder. Der
eine von diesen beiden ist allerdings unschwer als ein fremder Bestandteil
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