- Project Runeberg -  Nordisk tidskrift för bok- och biblioteksväsen / Årgång II. 1915 /
66

(1914-1934)
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66 KONRAD HAEBLER

Ausserdem jedoch erscheinen drei weitere Lombard-Initialen, die zwar ganz im
Stile der bekannten Serien des Lubucense gestaltet sind, in ihrer Grosse und
in Einzelheiten der Zeichnung aber sich als Abdrücke neuer Stöcke erweisen
(Fig, 10). Es liess sich feststellen, dass auch die fragmentarische Ausgabe die
beiden Sequenzen für den Himmelfahrts- und Margaretentag enthalten hat. Sie
hat aber einen vollkommen anderen Schluss gehabt, als die zuvor erwähnte.
Hier folgt nämlich auf die Sequenz des heiligen Bartholomaeus ein längerer
Abschnitt, ganz in rot gedruckt, der ein Gebet zur allerheiligsten Jungfrau Maria
enthält und dazu die Geschichte von dessen Entstehung erzählt und denen,
die es gläubig beten, besondere Begnadungen verheisst. Ob diese Redaktion
früher oder später als die vorher erwähnte entstanden ist, wage ich nach
dem schlechten Zustande, in dem beide Drucke sich befinden, nicht zu
entscheiden. Aber der Umstand, dass die Sequenzen in der Verbindung mit
dem Missale Lubucense in nicht weniger als drei verschiedenen Drucken
vorkommen, macht ihre Zugehörigkeit zu demselben jedenfalls recht fragwürdig.

Aus allem vorher Gesagten geht wohl das Eine mit Sicherheit hervor,
dass wir es in dem Missale Lubucense so, wie es in den drei erhaltenen
Exemplaren vorliegt, nicht mit einem einheitlichen Druckwerk zu tun haben.
Die in Leipzig gedruckten Stücke bilden allerdings einen integrierenden
Bestandteil eines Lubucense ; aber da der Hauptteil desselben nach seinem
Gesamtcharakter und nach einer ganzen Menge von Einzelmerkmalen unmöglich in
Leipzig hergestellt worden sein kann, so müssen wir diese Stücke trotz
alle-dem als spätere Zutaten ansehen. Es wird weiterhin versucht werden, für
diese höchst ungewöhnliche Erscheinung eine Erklärung zu geben. Als
besondere Zutaten müssen auch die Sequentiae gelten, vor allem weil sie nicht,
wie der Hauptteil, in allen drei Exemplaren übereinstimmen, dann aber auch,
weil ihre typographische Ausstattung von der des eigentlichen Missale
abweicht. Endlich müssen wir zunächst vorsichtiger Weise auch den Kanon
für unsere Untersuchung unberücksichtigt lassen, denn wenn auch der Druck
mit dem Ghotanschen Crucifixus vorzüglich zu dem Hauptteil des Missale zu
passen scheint, so darf man doch nicht aus seinem Vorhandensein Schlüsse
für das Missale ziehen, sondern es wird sich vielmehr darum handeln, seine
Zugehörigkeit zu diesem erst zu erweisen.

Die wichtige Frage ist also die, wer den Hauptteil des Missale, die
Missae de tempore und de sanctis nebst den Missae votivae hergestellt hat.
Dass dies nach stilistischen Gründen ein Drucker der sogenannten
Brandis-Gruppe gewesen sein muss, wurde schon erwähnt. Die Brandis-Gruppe
beherrscht aber die Drucktechnik des ganzen nordöstlichen Deutschlands, so

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