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32 KONRAD HAEBLER
hinter sich gebracht hat, bis wir zum ersten male signierten und datierten
Rollstempeln begegnen, lässt darauf schliessen, dass der Rollstempel bereits
auf eine längere Existenz wird haben zurückblicken können, als in den
zwanziger Jahren die ersten bezeichneten Stempel dieser Art auftraten.
Trotzdem sind wir aber vorläufig noch gezwungen, uns mit dem Wissen zu
begnügen, dass der Rollstempel offenbar an der Grenze der Wiegendruckzeit
zuerst begonnen hat, sich neben dem Einzelstempel einzubürgern.
Geteilter und unsicherer sind die Ansichten darüber, in welcher Gegend
der Gebrauch des Rollstempels zuerst aufgetaucht ist. B ick eil,
Bucheinbände des 15.—18. Jahrhunderts aus hessischen Bibliotheken (Leipzig 1892),
S. 9 hat die Ansicht vertreten, dass der Rollstempel eine Erfindung der
Buchbinder von Köln gewesen sei. Aber was er in diesem Zusammenhange
als frühe Erzeugnisse kölnischer Buchbinder in Anspruch nimmt, sind alles
nur Kölner Drucke aus dem ersten Jahrzehnt des XVI. Jahrhunderts, denen
jeder Hinweis darauf fehlt, dass sie auch gleichzeitig und am selben Orte
eingebunden worden seien. Insbesondere ist der Bogenfries, auf den sich
Bickell beruft, eine so weit verbreitete und so lange Zeit hindurch
verwendete Form zur Verzierung des Buchdeckelrandes, dass er weniger als irgend
ein anderer für eine zeitliche Bestimmung geeignet erscheint. Allerdings
schliesst er sich an an Schmuckformen, wie sie schon unter der Vorherrschaft
des Einzelstempels beliebt waren, aber das gilt gerade auch für eine andere
Gruppe von Rollstempeln, deren charakteristische Elemente eher zu einer
zeitlichen Bestimmung dienen können.
Nürnberg ist ja wohl derjenige Platz gewesen, wo in der Werkstätte des
Anton Koberger zuerst Bücher nicht nur gedruckt und rubriziert, sondern
in grösserem Umfange auch schon mit einem Originaleinbande des Verlegers
versehen worden sind. Der bedruckte Kartonnageeinband, von dem allerdings
auch ein paar einzelne Proben, hervorgegangen aus den Werkstätten von
Erhard Ratdolt und Johann Schönsperger in Augsburg, auf uns gekommen
sind, scheint doch in der Frühdruckzeit noch nicht zu allgemeinerer Anwendung
gelangt zu sein. Dagegen hat Anton Koberger die Bücher seines Verlages in
Mengen bereits eingebunden auf den Markt gebracht, und seine braunen
Kalblederbände mit ihren Einfassungen von Pflanzenornamenten, ihrem rautenförmig
geteilten Mittelfelde und dem in grossen Buchstaben eingepressten
Stichworte des Titels haben eine weite Verbreitung und vielfache Nachahmung
gefunden. Diese Nürnberger Bände nun zeigen häufig am Rande der
Buchdeckel ein fortlaufendes Muster, das in der Weise hergestellt ist, dass ein
und derselbe Stempel so oft nebeneinander immer wieder in das Leder ein-
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