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DER ROLLSTEMPEL UND SEINE INITIALEN 37
gegnen uns allerdings auch anderwärts sehr häufig und dabei auf manchen
Bänden, die einer verhältnismässig frühen Zeit anzugehören scheinen. Das
Monogramm ML ist mir dagegen sonst nirgends wieder begegnet, nur als
unverbundene Initialen habe ich die Buchstaben M. L. noch ein paar Mal
wiedergefunden, aber ich trage Bedenken, in den Initialen und dem
Monogramm die Bezeichnung ein und derselben Persönlichkeit erblicken zu wollen.
Steht somit das Vorkommen datierter Initialen für das Jahr 1524
vielleicht noch nicht einwandfrei fest, so kann es dagegen für das Jahr 1525
nicht wohl mehr in Zweifel gezogen werden. Auf zahlreichen Bänden, die
aus der fürstlichen Bibliothek in Oels in die Sächsische Landesbibliothek
gekommen sind, sieht man eine ziemlich grosse, scharf ausgeprägte
Buchbinderrolle, die zwischen Renaissance-Ornamenten vier Wappenschilde trägt,
die sämtlich dem Wappen von Breslau angehören. Auf dieser Rolle finden
sich neben dem Schilde, welches den steigenden Löwen trägt, die Initialen
/. H. und in den Ornamenten zwischen diesem und dem folgenden
W-Wappen ist die Jahreszahl 1525 deutlich angebracht.
Noch einmal fand ich eine datierte Initialrolle aus den zwanziger Jahren
auf einem Bande der Bibliothek des S. Petersstiftes in Salzburg, der die
Institutionen des Justinianus in der Ausgabe Paris 1506 enthielt. Die Rolle
stellt gleichfalls zwischen Renaissance-Ornamenten vier kreisförmige Medaillons
dar, die drei Männer- und einen Frauenkopf tragen. Dicht über dem
Medaillon mit dem Frauenkopf steht die Jahreszahl 1528, und am Fusse des
Ornamentes, welches zu dem zweitfolgenden Männerkopfe überleitet, trägt
eine kleine Platte die Initialen G. /.
Dass eine solche Art der Bezeichnung damals noch nicht das allgemein
Gebräuchliche war, dürfen wir daraus schliessen, dass diese Beispiele aus
den zwanziger Jahren noch ziemlich vereinzelt dastehen. Wir haben
allerdings alle Ursache anzunehmen, dass ebenso wie Jahreszahlen ohne
Buchstaben, so auch Initialen ohne Datum nicht selten auf Rollen und Platten
zum Einbandschmucke angebracht worden sind, ehe sich die Gepflogenheit
verbreitete, beide vereinigt zu gebrauchen. Diese Gepflogenheit ist überhaupt
niemals zu besonderer Verbreitung gelangt. Vielmehr sind die Rollen und Platten
mit beiden Angaben beständig stark in der Minderzahl geblieben gegenüber
den Stempeln, die nur eine der beiden Angaben enthalten. Leider ist es aber
kaum möglich, aus den undatierten Initialrollen bestimmte zeitliche Schlüsse
über die Herstellung der Einbände zu gewinnen, weil die Druckjahre der in den
Bänden enthaltenen Schriften zwar einen terminus a quo darbieten, niemals
aber den Schluss auf die gleichzeitige Entstehung des Einbandes zulassen.
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