- Project Runeberg -  Nordisk tidskrift för bok- och biblioteksväsen / Årgång XI. 1924 /
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(1914-1934)
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42 KONRAD HAEBLER

heit ausgebildet, für das Mittelfeld eine eigene künstlerische Komposition zu
schaffen, deren Maasse sich den räumlichen Verhältnissen, wie sie der Deckel
des Buches bot, anzupassen hatten. So entstand die Stempelplatte des
Buchbinders.

Wir begegnen solchen Stempelplatten mit figürlichen Darstellungen
gelegentlich schon auf Einbänden, deren übriger Schmuck noch mit Hilfe
von Einzelstempeln hergestellt war. Besonders in dem burgundischen
Kulturbereiche war die Verzierung des Buchdeckels mit Hilfe von Plattenstempeln
frühzeitig zu einem hohen Grade der Entwicklung gediehen. Allein diese
burgundisch-flandrischen Stempelplatten trugen in ihrer grossen Mehrzahl
eine charakteristische Eigenart zur Schau. Sie bestanden nämlich zu einem
grossen Teile nicht in einer einzelnen figürlichen Darstellung, sondern sie
fassten nach Art der gewundenen Pflanzenmuster eine Anzahl von Gestalten,
meist Tiere oder Fabelwesen, wie sie schon auf Einzelstempeln gebräuchlich
gewesen waren, in paarweiser Gruppierung, manchmal unter Einschiebung
eines Mittelstreifens von verwandtem Charakter zusammen, und umgaben
das Ganze mit einer Umschrift, die entweder den Charakter einer religiösen
Anrufung trug, oder aber verhältnismässig häufig auch in der Art, wie es
Konrad Forster in Nürnberg getan hatte, von der Herstellung des Bandes
Rechenschaft ablegte. Diese burgundisch-flandrischen Plattenstempel, die
von dem letzten Jahrzehnt des XV. bis in das zweite des XVI. Jahrhunderts
besonders im Schwünge gewesen waren, bilden gewissermassen die
Fortsetzung zu der älteren Gepflogenheit, dass sich die Buchbinder durch die
Verwendung von Stempeln mit ihrem Namen kenntlich machten. Solche
Stempel hat es aber auch manche gegeben, die das Bild eines Heiligen,
einen Krucifixus oder eine Jungfrau in der Glorie darstellten, und zwar sind
sie anscheinend immer in der Weise graviert gewesen, dass sie für die
Verwendung in Blinddruck bestimmt waren.

Neben diesen flandrischen Einflüssen machte sich nun aber von Italien
und Frankreich her noch vor dem Jahre 1500 die Verwendung der
Goldpressung für den Schmuck des Bucheinbandes geltend. Er scheint zuerst
in Süditalien am Hofe Alfonso’s V. und Ferdinands I. unter der Einwirkung
orientalischer Vorbilder in Aufnahme gekommen zu sein. Anfänglich wohl
rein ornamental gestaltet, wie dies der Islam mit dem Verbote der bildlichen
Wiedergabe bedingte, nahm er doch unter den Händen christlicher Künstler
nach und nach immer mehr eine Entwicklung in der Richtung des
Bildhaften, und wenn es zur Zeit auch noch nicht möglich ist, einen bestimmten
Termin festzustellen, wann zum ersten Male auf deutschem Boden eine bild-

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