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DER ROLLSTEMPEL UND SEINE INITIALEN 47
Nach diesen Ausführungen kann wohl ein Zweifel darüber nicht mehr
bestehen, dass wir es bei den Initialen und Namen, die uns auf Rollen und
Platten der Bucheinbände des XVI. Jahrhunderts entgegen treten, in erster
Linie mit den Namen der Buchbinder zu tun haben. Alle bisherigen
Versuche, diese Initialen als Marken von Stempelschneidern zu deuten, sind
über mehr oder weniger willkürliche Kombinationen nicht hinaus gediehen.
Hier aber sind in einer ganzen Anzahl von Fällen die strikten urkundlichen
Beweise dafür erbracht, dass diese Initialen die Namen von Buchbindern
andeuten, die sich zum Teil anderwärts mit ihrem vollen Namen nennen.
Allerdings habe ich in bestimmter Absicht gesagt, »in erster Linie»,
denn als ganz allgemein giltig darf die Regel doch nicht angesehen werden.
Es ist oben schon erwähnt worden, dass Namen und charakteristische
Embleme unter den Einzelstempeln nicht immer nur die Verfertiger der
Einbände, sondern manchmal auch die Eigentümer der Bücher zu bezeichnen
bestimmt waren. Bei den klösterlichen Buchbindereien, die im wesentlichen
doch nur für den Hausbedarf arbeiteten, ging beides so wie so vielfach Hand
in Hand.
In der Reformationsgeschichte Schlesiens hat der Magister Johannes
Hess, ein geborener Nürnberger, als erster evangelischer Stadtpfarrer von
Breslau eine bedeutende Rolle gespielt. Dieser Mann ist auch ein grosser
Bücherfreund und Büchersammler gewesen. Seine Bibliothek ist wohl
zunächst auf seinen gleichnamigen Sohn erster Ehe, den Landamtmann der
Herzöge von Münsterberg Johann Hess übergegangen, später aber scheinen
seine Bücher wenigstens zu einem grossen Teile in die herzogliche
Bibliothek in Oels und mit dieser im 19. Jahrhundert in die Sächsische
Landesbibliothek zu Dresden gelangt zu sein. Schon Rungius hatte im XVIII.
Jahrhundert gelegentlich erwähnt, dass Johann Hess seine Bücher mit einem
besonderen Stempel hatte schmücken lassen, der die Inschrift trägt: Arma
Hessica Anno 1525. Es ist ein kreisrunder Stempel für Goldpressung
gearbeitet, der münzenartig am Rande diese Umschrift trägt, während das
Mittelfeld von einem Wappenschilde eingenommen wird, der nach links einen
steigenden Löwen mit geflochtenem Schweife auf einem Aste zeigt. Es kann
zunächst dahin gestellt bleiben, ob man das Datum so zu verstehen hat,
dass der Stempel im Jahre 1525 geschnitten ist. Das Jahr 1525 ist im Leben
des Magister Johann Hess insofern ein überaus bedeutungsvoller Abschnitt
gewesen, als er in diesem Jahre durch seine Ehe mit einer Breslauer
Bürgerstochter einen eigenen Familienstand begründete und sich damit endgültig
von der römischen Tradition lossagte und offen zu der Lehre der Witfen-
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