- Project Runeberg -  Nordisk tidskrift för bok- och biblioteksväsen / Årgång XI. 1924 /
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(1914-1934)
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DER ROLLSTEMPEL UND SEINE INITIALEN 49

Zeit, als diejenige des Johann Hess.1 Die Rolle ist zusammengesetzt aus
sechs kreisrunden Schilden, deren jeder eine Umschrift trägt, und die durch
spärliche Blattornamente im Stile der Renaissance von einander getrennt
sind. Vier von diesen Schilden sind rein heraldisch; sie zeigen den Adler,
das Wappen von Ungarn, einen steigenden Löwen mit geflochtenem Schwanz,
natürlich aber ohne den Ast, der den Löwen des Johann Hess
charakterisierte, und noch ein Wappen, das ich vorläufig noch nicht zu deuten
vermag. Der fünfte Schild trägt in zwei Zeilen das Wort A US \\ TRI [AJ. Die
Umschriften aller sechs Schilde haben mit deren Wappenbildern nichts zu
tun, sondern sind religiösen Charakters. Der bedeutungsvollste ist der sechste
Schild, der durch ein Andreaskreuz in vier Abteilungen zerlegt wird, denen
die Buchstaben F. N. E. W. eingeschrieben sind. Diese selben vier Initialen
kehren mit der Jahreszahl 1551 auf dem Einbände in der Weise wieder, wie
die Besitzer ganz allgemein sich auf den Einbänden des XVI. Jahrhunderts
kenntlich zu machen pflegten. Schon dieser Parallelismus weist darauf hin,
dass diese Rolle nicht das Zeichen eines Buchbinders, sondern vielmehr das
eines Besitzers des Buches ist. Man braucht auch nicht weit zu suchen, um
ihn nach diesen Angaben zu finden, es ist der bekannte humanistisch
gebildete Freund Kaiser Ferdinands L, Fridericus Nausea Episcopus
Wien-nensis.

In österreichischen Bibliotheken habe ich noch einige weitere Rollen
von mehr oder weniger heraldischem Charakter gefunden, die unbedingt
wohl als Besitzerrollen angesprochen werden müssen. Es sind das aber
zumeist solche geistlicher Stiftungen, bei denen, worauf ich oben schon
hingewiesen habe, Besitzer und Buchbinder identisch gewesen sein dürften.
Weitere Rollen, die sich mit einiger Sicherheit, als Besitzzeugnisse privater
Persönlichkeiten erkennen lassen, sind mir bei meinen bisherigen Sammlungen
noch nicht bekannt geworden.

Fehlt es uns nun aber wirklich bei dem buchbinderischen
Stempelmateriale des XVI. Jahrhunderts ganz an Zeugnissen der Stempelschneider
und der Künstler? Keineswegs. Beweis dafür sind die überaus zahlreichen
Platten und Rollen, die eine zweifache Bezeichnung tragen und von denen
ausgehend wir dann auch eine Reihe von allein auftretenden Bezeichnungen
als solche ermitteln können, die nicht einen Buchbinder, sondern einen
Stempelschneider andeuten. Aus meinen Untersuchungen hat sich mir die

1 Ich bin auf dieselbe zuerst in der Hofbibliothek in Wien von Herrn Hofrat
Professor Dr. Th. Gottlieb aufmerksam gemacht worden. Bei meiner Durchforschung
österreichischer Bibliotheken bin ich ihr aber dann noch vielfach wieder begegnet. Leider habe
ich es versäumt, mir im einzelnen Aufzeichnungen darüber zu machen.

4 — 2471. Nord, tidskr. för bok- och biblioteksväsen 1Q24.

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