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RECENSIONER
wohl mehr oder weniger liebevolle Eigenarbeit vor, die selbstverständlich
auch auf Bestellung geschehen sein känn, sofern etwa der Spender des Buches
zugleich der Autor war. Dass der Inhalt dieser mit gestickten Einbänden
versehenen Bucher für gewöhnlich ein religiöser ist, reiht sich dem Bilde,
das der aufmerksame Betrachter des Rudbeckschen Werkes erhält, nur allzu
passend ein.
Baron Rudbeck widmet, in sinniger Weise, sein Buch dem Gedächtnis
seiner Schwagers, Baron Per Hierta, des bekannten Bibliophilen. Und dann
bringt er, nach einer Einführung in die Materie, die gestickten Einbände in
drei Partien. Zuerst kommen zwölf Bände mit Stickereien auf Samm t.
So-dann fölgen dreiundzwanzig Einbände mit Broderien auf Seide, und
schliess-lich erscheinen noch drei Bände, bei denen zweimal Kanevas und einmal
sögar Leder bestickt ist. Eine Tafel mit den Abbildungen von drei
vergol-deten, ziselierten und bemälten Vorderschnitten, genommen aus dem
vorange-henden Materiale, beschliesst die Reihe der neununddreissig Tafeln, die
sämt-lich auf das Eingehendste beschrieben werden.
Interessieren dürfte, dass allein die Königliche Bibliothek zu Stockholm
zwanzig der gestickten Einbände geboten hat. Das Nationalmuseum ist mit
zwei, das Nordische Museum ebenfalls mit zwei Banden vertreten. Von
sonstigen öffentlichen Sammlungen lieferte die Stiftsbibliothek zu Linköping
vier Bände, die Bibliothek Hierta auf Främmestad, die Stadtbibliotheken
Göteborg und Norrköping sowie das Röhsska Kunstgewerbemuseum, die
Universitätsbibliothek zu Uppsala und die Kirche Gottröra in Uppland je einen
Band. Schliesslich liehen, als Privat-Personen bez, Institute, der Baron
David Stjerncrona, Stjärnarp, zwei gestickte Einbände, Frau Maria Cronwall,
geb. Rystedt, zu Stockholm und die Bibliothek Bonde aufs Ericsberg je einen
solchen.
Um die Sonderklasse der gestickten Einbände auch voll und ganz zu
erfassen, verzeichnet Rudbeck am Ende seines Buches jene Literatur, in der
derartige Einbände besprochen und abgebildet worden sind. Dass hierbei
nicht nur Werke zur Geschichte des Bucheinbandes, sondern auch solche der
Textilkunst, ja selbst der Paramentik erscheinen, wird von allen Seiten
dank-barst begrüsst werden. Denn erst diese Literatur gibt dem Materiale
Rudbecks die notwendige Rundung und macht es zu einem vollkommenen
Arbetsinstrument. Dass weiterhin die Tafeln selber ganz vorzügliche in der
Generalstabens Litografiska Anstalt in Stockholm hergestellte Reproduktionen bieten,
känn nicht genug betont werden. In der Wiedergabe gerade der gestickten
Einbände lag die Gefahr der Übertreibung in den Farben sehr nahe, eine Gefahr,
die bei Rudbeck durch eine diskrete Nachahmung der Originale vermieden
worden ist. Und so darf denn wohl ohne Übertreibung behauptet werden, dass
Baron Gustaf Rudbeck mit seinem Buche über die gestickten Einbände diese
Sonderart der Buchdeckelschmuckkunst nach jeder Richtung hin ausgeschöpft
und damit in schönster Weise Wissenschaft und Bibliophilie vereint hat.
M. J. Husung, Berlin.
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