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RECENSIONER 51
einen guten Begriff geben, vermögen sie freilich nicht festzuhalten. Für die
Entzifferung bedeutete aber gerade der Verzicht auf die farbige
Reproduktion einen Gewinn. Anhangsweise sind dann noch viele einzelne Seiten in
verkleinertem Massstabe nach besonderen photographischen Methoden, z. B.
mit Röntgenradiation, facsimiliert. Das Erreichte ist erstaunlich, Besseres
kaum denkbar. Für die wissenschaftliche Benutzung der weltberühmten
Ulfilasbibel ist nun eine Grundlage von grösster Solidität gewonnen.
Der Wert der Ausgabe beruht aber ganz und gar nicht auf der
technischen Vorzüglichkeit des Facsimiles, sondern ebenso sehr auf der gelehrten
Einleitung. In klarem Latein, das von dem 80-jährigen Dr. C. A. Brolén
stammt, unterrichten uns der bekannte nordische Sprachforscher Professor
Otto von Friesen und Anders Grape, jetzt Direktor der
Universitätsbibliothek Uppsala, über den Codex, sein Äusseres, seine Geschichte, seine
Stellung zu anderen Handschriften u. s. w. In Cap. I (p. 13 — 46) beschreibt
v. Friesen das Manuskript mit einer hier angebrachten Ausführlichkeit bis
in alle Einzelheiten, die Art des Pergaments, die Purpurfärbung, die
Lagenzusammensetzung, die ursprüngliche Heftung der Blätter durch purpurgefärbtes
Leinen, die Zahlen der heute und der einst vorhandenen Folien und ihren
Evangelieninhalt, die Masse, die Liniatur, die Arten der Tinten und Farben
sowie alles sonst mit der Schrift Zusammenhängende, auch die Nomina sacra.
Dabei wird L. Traubes Auflösung von nJ*S durch gups und nji^ durch gupa
abgelehnt und mit Hench gudis und guda gesetzt, obwohl nach meinem
Dafürhalten Traubes palaeographische Bedenken zu Recht bestehen bleiben.
Von den Fällen, in denen n und m durch — bez. —5- ersetzt werden,
ist der Ersatz bei gadaupnai und jah mik merkwürdig und widerspricht dem
alten Gebrauch griechischer und lateinischer Schreiber, Auch unter den p.
40 aufgezählten Ligaturen sind Seltsamkeiten, so die Verbindung von h und
T in T), von p und R in <]/. Ich stimme der Beobachtung p. 68 sq. zu, dass
da graezisierende Erscheinungen vorliegen. Schliesslich sei noch die
wichtige Neufeststellung hervorgehoben, die an eine feine Beobachtung Grapes
anknüpft, dass der Codex von 2 Schreibern (Matth. - Joh. und Luc. - Marc.)
hergestellt ist.
In Cap. II hat v. Friesen eine Vergleichung des Codex argenteus mit
den Resten anderer gotischer Codices und vor allem mit griechischen und
lateinischen vorgenommen. Mit der Verwendung vergrösserter Buchstaben
beginnend stellt er fest, dass die Goten die Vergrösserung beim Beginn der
Abschnitte auf neuen Zeilen aus griechischen Handschriften haben kennen
lernen können, die Verwendung der Litterae amplificatae innerhalb der Zeilen
eine Sitte ist, die mit dem lateinischen Schrifttum um 500 zusammenhängt.
Des weiteren führt er bei der 2. Hand die vergrösserten Buchstaben, mit
denen nicht ein neuer Absatz beginnt, auf lateinische Codices zurück, die
schon frühzeitig den Beginn einer Seite oder einer Kolumne durch
Vergrösserung des ersten Buchstabens auszuzeichnen pflegten. Mit vollem Recht-
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