- Project Runeberg -  Nordisk tidskrift för bok- och biblioteksväsen / Årgång XVI. 1929 /
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(1914-1934)
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56 RECENSIONER

land!) war, aufs Festland mitgenommen wurden und dann in einem
karo-lingischen Kloster blieben. Angelsächsische Spuren finden sich tatsächlich
in Werden gar manche, von spanisch-septimanischen Symptomen weiss ich
nichts. Ich würde mich beim Codex argenteus durchaus nicht etwa auf die
Behauptung angelsächsischer Herkunft versteifen, sondern mich zu sagen
bescheiden: den Weg, der ihn nach Werden führte, kennen wir einstweilen
nicht. Einigermassen festen Boden betreten wir erst mit dem 16.
Jahrhundert. Wem da das ehrwürdige Manuskript bekannt geworden ist und wie
man Kunde über es verbreitet hat, haben die schwedischen Forscher p, 86
sqq. gut dargelegt. Um 1600 scheint es im Besitze Kaiser Rudolfs II.
gewesen, 1648 bei der Eroberung Prags vom schwedischen Heerführer Johann
Christoph von Königsmarck erbeutet worden zu sein. 1651 taucht der Band
im Bibliothekskataloge der Königin Christine, kurze Zeit darauf bei Isaac
Vossius auf. 1662 kaufte ihn der schwedische Kanzler Magnus Gabriel De
la Gardie, er endlich schenkte ihn, mit einem noch heute erhaltenen kostbaren
Silbereinbande versehen, 1669 dér Universität Uppsala. Der durch v. Friesen
und Grape dargestellten Geschichte seiner wissenschaftlichen Verwertung
vom 16. Jahrhundert an bis auf unsere Tage habe ich nichts hinzuzufügen.
Nur die vollständige Entzifferung und Veröffentlichung des Codex durch
Andreas Uppström in den Jahren 1854 und 1857 sei hier noch einmal
erwähnt. Die Prüfung an der Hand der Photographien und Reproduktionen
hat gezeigt, dass Uppströms Lesungen von ungewöhnlicher Zuverlässigkeit
sind. Nur wenige Stellen haben v. Friesen und Grape p. 108 sqq. zu
berichtigen gehabt.

Zusammen mit dem von ihnen in schwedischer Sprache veröffentlichten,
die lateinische Einleitung etwas erweiternden Buche »Om Codex Argenteus
dess tid, hem och öden»,1 gehört das vorzügliche Facsimilewerk zu den
eindruckvollsten Erscheinungen der abendländischen Handschriftenkunde der
letzten Jahre. Schweden kann stolz darauf sein, was es für die
Erschlies-sung des einzigartigen Denkmals geleistet hat.

München.

Paul Lehmann.

1 Skrifter utgivna av Svenska Utter at ar sällskap et, 27. Uppsala 1928.

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