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116 PHILIBERT HUMBLA.
Der grössere öder geringere Grad von Isolierung, in der diese Men schen
leben, scheint ihnen Nadel und Farben in die Hand zu drucken und auch
zu den Mustern Anregung zu geben. Dass die grosse Mehrzahl
tätowier-ter Männer in Europa kriminell betonte Individuen wären, ist eine
voll-ständig irrtiimliche Auffassung.
Iii Schweden ist die Motivwahl bei den Tätowierungsbildern
we-nigstens teilweise abhängig von dem Beruf des Tätowierten. Allén
Gruppen gemeinsam sind dagegen die symbolischen Bilder, Glaube,
Hoffnung, Liebe usw. Dies gilt auch fiir da« Frauenbild, das als
Freudenmädchen, Schlangenbändigerin u. dgl. auftritt, auch das Bild
der Braut und bisweilen das e i ner geliebten, verstorbenen Mutter
ver-ewigt. Indianer sind als Motiv gewöhnlich, ebcnso »Buffalo Bill».
Ilumoristische und unanständige Bilder sind sehr selten, desgleichen
alle epischen Inhalts. Tiere kommen oft vor, ebenso Blumen und einfache
Ornamente.
Die Bilder werden zusammenkomponiert, bestehend aus
ver-schiedcnen Motiven, die durch Blumen, Blätter und Ornamente zu einem
Ganzeii abgerundet werden.
Der allgemeine Charakter und der Inhalt der Bilder zeugeri von der
Lebensauffassung des einfachen Mannes. Die Arbeit und das Milieu
werden angedeutet, die Sehnsucht des Isolierten nach Briefen und nach
seineri Lieben, eine männliche Wertschätzung von Treue und Liebe, wie
auch von Freiheit und Unabhänigkeit, lassen sich leicht genug aus der
Bilderwahl. herauslesen.
Der Technik zufolge sind die Bilder gekennzeichnet durch eine
gewisse Gezwungenheit des Stils. Die Konturen sind akzentuicrt, Schatten
und Abtöiiungen schematisch. Die Stelle, wo das Bild auf dem Körper
angebracht wird, hängt teils von der Grosse des Biides, teils von seinern
Charakter ab. Das Gesicht und die Hände bleiben gewöhnlich auch bei
derieo, die Mässen von Bildern auf sich trägen, verschont.
In Schweden finden sich ini Vergleich z. B. mit England wenige
Ausiiber der Tätowierungskunst. Stichtätowierung und Einbrennen mit
Pulver sind die einzigen Methoden, die hier zur Anwendung gekommeii
sind. Die dem Typus nach echten Nadeln ähneln donen, welche die
Japaner anwenden. Ein jiingerer Typus wurde in Amerika verwendet,
bevor er hier benutzt wurde. Nunmehr wird eine Maschine verwendet,
kon-struiert nach dem Prinzip der elektrischen Klingel.
Das Bild wird auf ein halbdurchsichtiges Papier durchgepaust. Die
Konturen werden auf diesem mit hektographischer Tinte nachgezogcn,
das Papier wird angefeuchtet und das Bild auf die Haut abgedriickt.
Danach wird die Farbe eingestochen.
Die Farben, die ausser schwarzer Tusche zur Verwendimg kommen,
sind Zinnober, Vermillon, Smaragdgriin und Kadmium.
Ållon nach zu urteilen, wird die Tätowierung in Schweden immer
selterier werden. Bilder sind nunmehr leichter erhältlich als friiher, die
Isolierung macht sich ini Zeitalter des llundfunks iiicht mehr so
driic-keiid fuhlbar, uiid der allgemeine Geschmach hat eine Wandlung erfahren.
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