- Project Runeberg -  Kyrkohistorisk Årsskrift / Tjugusjätte årgången, 1926 /
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(1900)
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Peter Josef Wagner, Über die Beziehungen zwischen Morgenland und Abendland in der mittelalterlichen Musik

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MORGEN- UND ABENDLAND IN DER MITTELALTERLICHEN MUSIK I 6 5

nahm, so dass er sich in einem Schreiben gegen den Vorwurf
verteidigen musste, er habe die Griechen zu sehr nachgeahmt.
Griechische Amtsbezeichnungen haben mehrere der Sänger
seiner Schola Cantorum, wie Paraphonista, Archiparaphonista;
die zukünftigen Sänger wurden in einem Orphanotrophium
erzogen, das man lateinisch mit Conservatorium übersetzen
kann; der erhöhte, kanzelartige Platz, von dem aus die Solisten
ihres Amtes walteten, hiess Ambo vom griechischen àvaßaiveiv,
aufsteigen; griechisch sind die Namen der Tonarten des römischen
Kirchengesanges, wie authentisch und plagal, Protus, Deuterus
u. s. w. und zwar nicht altgriechisch — denn die antiken
Musikschriftsteller kennen diese nicht —, sondern
mittelgriechisch-byzantinisch; byzantinisch sind auch die Zeichen der lateinischen
Neumenschrift, einige davon tragen sogar griechische Namen,
wie Podatus, Cephalicus, Quilisma, Epiphonus u. a. In den
Quellen des römischen Zeremonials des 7.— i2.jahrh. figurieren
mehrfach Gesänge in griechischer Sprache, innerhalb wie
ausserhalb der Liturgie. Die Päpste griechischer oder syrischer
Abstammung in 7.—9. Jahrh. hielten selbstverständlich darauf,
Beamte und Vertraute ihren Sprache und ihrer Nation in der
Nähe zu haben. So musste der griechische Einschlag in der
römischen Liturgie lebendig bleiben und wachsen. Auch im
Norden wird griechischer Einfiuss seit dem 8. Jahrh. bemerkbar,
als viele Kleriker, namentlich Mönche infolge des Bilderstreites
aus dem Osten vertrieben, in abendländischen Klöstern eine
neue Heimat suchten und fanden. Sogar in St. Gallen gab
es zur Zeit des Notker Balbulus, um 900, byzantinische Mönche,
da er in einem Briefe an den frater Lambertus einen Gruss
von den hellenici fratres bestellt. Vielfältig war die Einwirkung
dieser Gäste auf den Gebiete der Musik; am wichtigsten wurde
sie für die lateinische Sequenzenpoesie, die im äussern
Strophenbau wie im rythmischen Gefüge der Verse nichts anderes
ist als eine Übertragung byzantinischer Hymnodik auf die
lateinische Kirchendichtung. Damit stehen wir vor einer auch
literargeschichtlich sehr wichtigen Begebenheit, deren Tragweite
erst in unseren Tagen erkannt worden ist. Die so ins
Abendland verpflanzte poetische Richtung nahm ihren Ausgangspunkt
bei Ephrem dem Syrer im 4. Jahrh. Er schuf Strophenkomplexe
von verschiedenen Bau und Umfang der einzelnen Glieder und
unter Zugrundelegung nicht des prosodisch-quantitierenden, son-

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