- Project Runeberg -  Kyrkohistorisk Årsskrift / Tjugusjätte årgången, 1926 /
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(1900)
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Peter Josef Wagner, Über die Beziehungen zwischen Morgenland und Abendland in der mittelalterlichen Musik

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PETER JOSEF WAGNER

dem des rhythmisch-akzentuierenden Verses. Noch im selben
Jahrhundert wurde diese neue, orientalisch-semitische
Dichtungsweise in Byzanz eingeführt und gelangte innerhalb der
byzantinischen Liturgie zur Herrschaft. Der Lateiner Hilarius von
Poitiers versuchte, sie den Lateinern bekannt zu machen. Aus
verschiedenen Gründen misslang der Versuch; damals hing die
lateinische gebildete Welt noch an den Uberlieferungen der
klassischen Poesie, und Ambrosius baute seine kirchlichen
Hymnen im antiken Versmass der jambischen Dipodie. Es bedurfte
eines erneuten Anstosses von Osten her, um der rhythmischen
Dichtung orientalischer Ausprägung bei den Lateinern Eingang
zu verschaffen. Dass es diesmal gelang, ist das Verdienst zumal
des Notker Balbulus von St. Gallen, dessen Sequenzen im
grossen und kleinen griechische Strophenkunst in lateinischem
Gewände nachbilden. Erwägt man nun die bedeutsamen
Einwirkungen, welche die Sequenzenstrophik mit ihrem freien
Gefüge und der auf dem Wortakzent beruhende Sequenzenvers
für die deutsche Poesie, den Laich, und für die französische
der Lais und Descortez ini Gefolge hatte, so ergeben sich
weit-zeichende literär- und kunstgeschichtliche Perspektiven von Ost
zu West, von Ephrem bis ins späte Mittelalter und darüber
hinaus.

Neben der durch Boethius vermittelten antiken
Musikgelehrsamkeit strömten auf demselben Wege wie die andern östlichen
Vorbilder auch zahlreiche Lehren aus der mittelgriechischen
Musiktheorie im Abendland; ich nenne auch hier die 8Tonarten,
das System des Oktoechos, das sich seit dem 4. Jahrh. aus
Überresten der antiken Tonarten an der Hand der
christlichliturgischen Gesangspraxis neugebildet hatte, wahrscheinlich
bereits in Syrien, Aegypten und Byzanz, im Abendlande unter
allerlei Umgestaltungen rezipiert und formuliert wurde. Bis auf
Guido von Arezzo, um die Mitte des 11. Jahrh., dauerte diese
unaufhörliche Abgabe musikalischer Güter an den Westen, d. h.
bis zur Trennung der griechischen Kirche von Rom. Selbst Guidos
Ut re mi f a sol la, die dem Johanneshymnus entnommen
Sol-misationssilben, hatten ihre Parallele in den bereits im 9. Jahrh.
abendländischen Schriftstellern, wie dem Aurelianus Reomensis,
bekannten und ebenfalls aus griechischen Hymnen geschöpften
Silbenzusammenstellungen wiei Nonnanoeane, Noeagis u. a. Nach
Guido aber gingen die musikalischen Schicksale der beiden

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