- Project Runeberg -  Kyrkohistorisk Årsskrift / Tjugusjätte årgången, 1926 /
172

(1900)
Table of Contents / Innehåll | << Previous | Next >>
  Project Runeberg | Catalog | Recent Changes | Donate | Comments? |   

Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Peter Josef Wagner, Über die Beziehungen zwischen Morgenland und Abendland in der mittelalterlichen Musik

scanned image

<< prev. page << föreg. sida <<     >> nästa sida >> next page >>


Below is the raw OCR text from the above scanned image. Do you see an error? Proofread the page now!
Här nedan syns maskintolkade texten från faksimilbilden ovan. Ser du något fel? Korrekturläs sidan nu!

This page has never been proofread. / Denna sida har aldrig korrekturlästs.

16 2 PETER JOSEF WAGNER

Sarazenen von Sizilien her vorstiessen, enthält in einem
lateinischen Traktat allerlei arabische Worte, z. B. sind die Stufen
der Tonleiter darin mit den arabischen Bezeichungen für Sonne,
Mond, Wasser, Feuer u. a. versehen1, und als im 12. und 13.
Jahrh. die arabische Philosophie zur Kenntniss der Lateiner
gelangte, erfreuten sich auch die Musiktraktate der Araber,
besonders des Alfarabi, bei den lateinischen Musikern eines
starken Interesses. Der Dominikaner Hieronymus von Mähren, ein
Zeitgenosse des Thomas von Aquino im Pariser Kloster des hl.
Jakobus übernahm in sein grosses, kompilatorisches Werk de
Musica ein ganzes Kapitel aus Alfarabi3; ebenso Vincent von
Beauvais in sein Speculum doctrinale u. a.; es sind vorwiegend
rein theoretische Darlegungen, Definitionen und ähnliches, die
so in den Gesichtskreis der Lateiner gerieten. Selbst die in
den lateinischen Musiktraktaten des 12. und 13. Jahrh. so breit
behandelten Modusschemata, die ersten Ansätze zur spätem
und heutigen Taktlehre, stammen nach Ribera aus den Schriften
der arabischen Musiker in Spanien. Mit solchen Feststellungen
eröffnet sich der musikgeschichtlichen Forschung ein neues,
grosses und kaum geahntes Feld: die Schriften der
spanischarabischen Gelehrten und andere zeitgenössische Quellen
versprechen reiche Ausbeute.3 Freilich mussten diese Spuren im
Gesamtkreis musikalischer Betätigung sich am ehesten
verwischen, da gerade damals die europäische Musik sich zu den
gewaltigen Errungenschaften anschickte, deren Träger die
englische und niederländische Schule des 15. Jahrh. wurden. Wie
dem auch sei, der Einzug des arabischen Aristotelismus in die
abendländische Gelehrsamkeit, auf den sich bisher unsere
Kenntniss von den Beziehungen beider Kulturen zu einander
beschränkte, ist nur eine der Erfolge der weitausgreifenden
geistigen und künstlerischen Befruchtung des Okzidentes durch
den Orient.

Vom 15. Jahrh. an steht der europäische Westen ganz auf

1 Vgl. Wagner, Neumenkunde’. S. 105. Anm.

2 Coussemaker, Scriptores I, p. 10.

3 Uber die Abhängigkeit z. B. des Philosophen Dominicus Gundissalinus
und seiner Darlegung De Musica von Alfarabi vgl. Ludwig Baur, Dom.
Gundissalinus De divisione philosophiae (Beiträge zur Geschichte der
Philosophie des Mittelalters von Bäumker und v. Hertling. Bd. IV. Heft. 2 und 3),
S. 96 ff. und 240 ff.

<< prev. page << föreg. sida <<     >> nästa sida >> next page >>


Project Runeberg, Wed Nov 10 17:44:19 2021 (aronsson) (download) << Previous Next >>
http://runeberg.org/kyrkohist/1926/0182.html

Valid HTML 4.0! All our files are DRM-free