- Project Runeberg -  Der Kantianismus in Schweden /
264

(1901) [MARC] Author: Allen Vannérus
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - Der Kantianismus in Schweden, von Allen Vannérus in Stockholm - II. Über den Kantianismus in Schweden

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264 Allen Van n erus
mmg, die ihrerseits von dem Gesetze eines moralischen Unwesens
bestimmt ist. Die Religion gründet sich nach Boethius nicht auf
die Moral, sondern die Moral auf die Religion, ein Grundgedanke,
der sich in der schwedischen idealistischen Philosophie erhalten
hat, die durchaus theistisch ist. — Höijer ging im folgenden
Jahre nach Deutschland und traf dort mit Reinhold, Fichte und
Schelling zusammen, wobei er Gelegenheit hatte in den Geist der
Kantischen Philosophie weiter einzudringen.
So viel über die Einführung des Kantianismus in Schweden1).
Dass Kaut hiernach immerfort in diesem Lande beachtet geworden
ist, dürfte aus der vorausgeschickten Bibliographie hervorgehen.
Aber das wichtigste Moment in der Rolle, die der Kantianismus
in der schwedischen Philosophie gespielt hat, geht nicht aus
dieser hervor, weshalb es hier besonders hervorgehoben werden
muss.
Die schwedische Philosophie weist seit dem Bekanntwerden
der Kantischen Lehren nicht viele Richtungen auf. Eine ist die
idealistische, welche von Boethius eingeleitet, von Biberg, Grubbe
und Geijer fortgesetzt, zur prinzipiellen Vollendung und Abschlies-
sung von C. J. B o s t r ö m und seinen Schülern gebracht ist. Man
mag über diesen in Schweden allbekannten Boströmianismus denken,
wie man will, unbestreitbar ist, dass diese Philosophie ihr grosses
geschichtliches Interesse hat als die idealistische Weltansicht, die
nicht nur den Idealismus im Allgemeinen, sondern den ratio-
nellen Idealismus zu verteidigen unternimmt, womit nach schwe-
discher philosophischer Terminologie pointiert wird, dass die wahre
Wirklichkeit nicht nur über die Form des Raumes, sondern auch
über die der Zeit und der Veränderung erhaben ist. Eben
dieser am spätesten angedeutete Gedanke, welcher der der Er-
scheinungswelt zu Grunde liegenden Realität gleichsam den letzten
Rest der Bestimmungen aberkennt, welche der genannten
Welt zukommen, fordert offenbar seinen prägnanten geschicht-
lichen Ausdruck, wie z. B. der Gedanke, dass es kein Ding an
sich giebt, den seinigen fordert und ihn in Fichte besitzt. Der
Boströmianismus ist der geschichtliche Exponent für den ratio-
nellen Idealismus. Man kann möglicherweise bedauern, dass dieser
Ausdruck zum Leben gebracht ist in einem weit abliegenden Ort
x) Für eine ausführliche Darstellung verweise ich auf Nyblaeus’
grosse Arbeit über die Philosophie in Schweden, TL I: Abt. 2, 1875,
S. 127 o. f.

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