- Project Runeberg -  Der Kantianismus in Schweden /
267

(1901) [MARC] Author: Allen Vannérus
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - Der Kantianismus in Schweden, von Allen Vannérus in Stockholm - II. Über den Kantianismus in Schweden

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Der Kantianismus in Schweden. 267
wenden, sowohl gegen seine Ethik im engeren Sinne, als auch
gegen seine Rechtslehre und seine Religionsphilosophie. Ein prin-
zipieller Einwand ist der, dass es Kant nicht geglückt ist, einen
organischen Zusammenhang zwischen den Gegenständen dieser
praktischen Disciplinen aufzuzeigen. Und Einzelausstellungen
reihen sich sodann in Menge an. So wird Kant seine formalistische
Auffassung des sittlichen Lebens vorgeworfen, ferner seine Unter-
lassung, den richtigen Zusammenhang zwischen Sinnlichkeit und
Vernunft aufgezeigt zu haben, der nicht darin besteht, dass die
erstere zu unterdrücken sei, sondern darin, dass sie Material,
Mittel und Organ des Vernünftigen werden soll u. s. f. Und das
Gleiche gilt von der Rechts- und Religionsphilosophie. Auch hier
knüpft der Boströmianismus an Kant an und lernt von ihm.
Aber auch hier wird schliesslich das Receptivitätsverhältnis ge-
brochen, die kritisch reagierende Selbstständigkeit macht sich gel-
tend. Und nun ist es Boström, der Kant Vieles lehrt, wovon
dieser kaum eine Ahnung gehabt hatte, oder, vielleicht richtiger,
eben eine Ahnung, denn „der Ahnungsreichtum“, das will hier
sagen: der Ansatz zur Persönlichkeitsphilosophie, ist, wie Ny-
blseus hervorhebt, der zu den Hauptvertretern der Boströmschen
Philosophie gehört, eine von Kants grossen Eigenschaften.
Ausser der Rolle, die der Kantianismus in Schweden als
Einschlag in der vorzugsweise sogenannten „schwedischen Philo-
sophie“ gespielt hat, hat er jedoch auch, allerdings nur sporadisch,
einzelne andere Denker, die ausserhalb der eigentlichen Boströmschen
Schule stehen, inspiriert. So ist z. B. der neuerdings zum Professor der
praktischen Philosophie an der Universität Upsala ernannte E. 0.
Bur man, der einer Art von skeptisch gefärbtem Neuboströ-
mianismus huldigt, ein gründlicher Kenner und warmer Be-
wunderer Kants. Auch mag erwähnt werden, dass der berühmte
Astronom an der Akademie der Wissenschaften in Stockholm, Pro-
fessor H. Gylden1), ein Kantianer ist, und zwar ist es der Er-
kenntnistheoretiker und Anti-metaphysiker Kant, den Gylden aner-
kennt, wie dies z. B. aus folgendem interessanten Ausspruch her-
vorgeht: „Durch die Erfahrung wissenschaftliches Forschungs-
material sammeln, heisst wissenschaftliche Kunst ausüben, z. B.
die Observationskunst. Die wissenschaftliche Bearbeitung des Ma-
terials ist die Gedankenarbeit, wodurch die Erscheinungen mittels
!) Gestorben Nov. 1896.

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