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(1915) [MARC] - Tema: War
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Full resolution (TIFF) - On this page / på denna sida - Tyska svar: - Georg Simmel

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In dieser Lage scheint es mir nur zwei praktische
Direktiven zu geben. Zunächst, dass man diese Zerrissenheit
nicht unnütz steigere, nicht über die notwendige
Selbstbehauptung hinaus, und dass man den rein sachlichen
Wert der Leistungen der Gegner unangerührt lässt.
Zweitens aber — und das ist das wichtigere — dass
man innerhalb der nationalen Begrenzung, in der
voraussichtlich das geistige Leben der nächsten Jahre
verlaufen wird, die Leistungen auf das höchste zu steigern
sucht. Je vortrefflichere Werke eine Nation auf jeglichem
Kulturgebiet hervorbringt, desto mehr werden die andern
Nationen veranlasst, ja genötigt sein, sich darum zu
kümmern und es sich zu eigen zu machen. Wenn die
Leistung der Kulturvölker sich aus ihrem nationalen Boden
heraus in eine neue, unerhörte Höhe heben, so werden
sie in dieser ganz von selbst einander berühren,
zusammenwachsen, einander unentbehrlich werden. Diese rein
sachliche Steigerung des nationalen Schaffens scheint
mir am meisten, vielleicht allein die Hoffnung zu
begründen, dass in absehbarer Zeit ein irgendwie
zusammengehöriges, geistig-kulturelles Europa entstehe.

Ueber die Stimmungsgrundlage, von der aus die
Wiederanknüpfung friedlicher Beziehungen zu unsern
Gegnern in Frage kommen wird, lässt sich deshalb nichts
sagen, weil der Ausgang des Krieges sehr wesentlich
über sie entscheiden wird. Da Sie aber nach dem
jetzigen Stande der Stimmungen fragen, kann ich Ihnen
eine, wohl ziemlich allgemein gültige Auskunft geben.
Gegen Frankreich besteht in Deutschland keinerlei Hass,
wenn man von vereinzelten Fanatikern absieht und von
der Erregung, die die Behandlung unserer Zivilgefangenen
in Frankreich bei uns hervorgerufen hat. Im allgemeinen
aber achten wir die Franzosen als die in kriegerischer
Tugend am höchsten stehenden unter unsern Gegnern
und für die der Krieg am wenigsten eine Frivolität war.
Zudem sind wir überzeugt, dass das französische Volk
den Krieg so wenig gewollt hat wie wir, sondern dass
es durch seine frühere Politik einfach genötigt ist,
sich für England und, in zweiter Linie, für Russland zu
verbluten. So sehr jeder Mensch in Deutschland
entschlossen ist, den Krieg gegen Frankreich mit der
äussersten Kraftanstrengung zu führen, so wenig wir jetzt zu
Sentimentalitäten geneigt sind, so besteht daneben doch
in weiten Kreisen von Deutschland ein tiefes Bedauern
über das tragische Verhängnis dieser genialen Nation.
Bei aller Leidenschaftlichkeit in unsern litterarischen
Kriegsäusserungen — deren Geschmack ich nicht in allen
Fällen verteidigen will — habe ich niemals niedrige

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Project Runeberg, Mon Jul 4 09:21:51 2016 (aronsson) (download) << Previous Next >>
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