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94 ADOLF SCHMIDT
in ihnen die Vorarbeiten für eine gekürzte Fassung des Werkes sehen wollte,
die er sich erst nach der ausführlichen von 1475 entstanden dachte, während
letzterer in ihnen Satzversuche für die grosse Rudimentum-Ausgabe sieht,
die er bereits in das Ende des Jahres 1473 zu setzen geneigt ist, da auf
dem einen Blatte das dritte Regierungs jähr Papst Sixtus IV., das mit dem
August 1473 beginnt, als das laufende Jahr und offenbar auch als das des
Druckes erscheint.
Es ist nicht meine Absicht, hier auf diese Frage näher einzugehen;
man müsste, um sie zu entscheiden, sämtliche erhaltenen Blätter der
Probedrucke unter sich und mit dem Rudimentum von 1475 genau vergleichen,
was vielleicht zu recht interessanten Ergebnissen in Bezug auf Praxis und
Technik der alten Drucker führen könnte. Eine so massenhafte
Anfertigung von Probedrucken, wie sie in der Werkstätte des Lukas Brandis üblich
gewesen zu sein scheint, ist für keinen anderen Drucker jener Zeit
nachgewiesen. Ich möchte hier nur die Unterlagen für eine solche Untersuchung
durch einige neue Probeblätter des Rudimentum erweitern, die verschiedene
Zufälle weit von ihrem Entstehungsort in die Landesbibliothek zu
Darm-stadt verschlagen haben. Auch diese Blätter hat ein Lübecker Buchbinder
zu Beginn der achtziger Jahre bei seinen Einbänden verwendet, sie haben
ihm als Schutzblätter vorn und hinten bei drei Grossfolianten gedient, die
ein mit schönen roten und blauen Initialen und zu Beginn der einzelnen
Bücher mit prachtvoll in Farben ausgeführten grossen Buchstaben und
Ranken geziertes Exemplar der »Biblia Latina cum Glossa ordinaria
Wala-fridi Strabonis et interlineari Anselmi Laudunensis» umschliessen, das Adolf
Rusch in Strassburg um 1480 für Anton Koberger in Nürnberg und für sich
selbst gedruckt hat (Hain *3173). Collijn hat bereits1 darauf hingewiesen,
dass wie der Buchdruck so auch die Buchbinderei in Lübeck gegen Ende
des 15. Jahrhunderts in hoher Blüte stand. »Ganze Lager von Büchern
scheinen ungebunden nach Lübeck eingeführt worden zu sein, besonders von
Mainz und Rostock her, um dann gebunden wieder ausgeführt zu werden,
hauptsächlich nach den skandinavischen Ländern und den Ostseeprovinzen.»
Man könnte dem noch hinzufügen, dass vermutlich auch die Rubrizierung
und Illuminierung der in rohen Bogen eingeführten Werke in Lübeck
vorgenommen worden ist. Auch für diese Arbeit waren geeignete Kräfte dort
zu finden, wie sich aus Kohfeldt’s Aufsatz »Der Lübecker Vikar Conrad
Stenhop, ein mittelalterlicher Illuminator und Büchersammler»2 ergibt. Die
A. a. O., S. 286.
Zentralbl. für Bibl.-wesen, Jahrg. 20 (1903), S. 281-285.
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