Full resolution (TIFF) - On this page / på denna sida - Seefabeltiere von Giovanni Andrea Maglioli und Christoph Jamnitzer. Von Lotte Pulvermacher, Berlin
<< prev. page << föreg. sida << >> nästa sida >> next page >>
Below is the raw OCR text
from the above scanned image.
Do you see an error? Proofread the page now!
Här nedan syns maskintolkade texten från faksimilbilden ovan.
Ser du något fel? Korrekturläs sidan nu!
This page has never been proofread. / Denna sida har aldrig korrekturlästs.
SEEFABELTIERE VON MAGLIOLI UND JAMNITZER 101
Schwanzbildungen, Flügel und Männen, die, einheitlich in ihrer Stiltendenz,
sich der Gesamtkomposition unterordnen. Die Körper der Fabeltiere und
Putten sind weich muskulös behandelt, in einzelne rundplastische
Formationen aufgeteilt und dennoch zusammengehalten. Bei den Blättern mit Putten
ist eine unerhörte Verschmelzung der beiden Bildglieder erzielt, ein
Sich-Verschlingen und Verbinden — entsprechend den Körperteilen im Einzelnen zur
barocken Gesamtkörperbildung — hier von Fabeltier und Kindern zu
einheitlich barocker Bildgestaltung.
Von diesen Blättern Magliolis scheinen mir Jamnitzers Seefabeltiere
eine deutsche Umgestaltung zu sein. Äusserlich sind die Motive
übernom-men, die merkwürdigen Mischgebilde, die Haltungen der Putten, der untere
Wellenstreifen. Wie aber hat der deutsche Ktinstler das italienische
Form-gefühl gewandelt? Die geschlossene Komposition von Tier und
mensch-lichem Wesen wird von Jamnitzer wieder in beide Bestandteile zerlegt; die
bei Maglioli sich mit dem Körper des Seefabeltieres verschlingenden Körper
der Putten können nur gequält die gewundene Stellung einnehmen; daher
lässt Jamnitzer seine Putten meistens reiten. Die Kopf- und
Schwanzbildungen, die sich mit ihren Windungen bei Maglioli der queroblongen Fläche
einpassten, gehen bei dem deutschen Stecher nach allen Seiten, die
Gegen-stände, die die Putten halten, sprengen bisweilen den Bildrahmen. Auch
Jamnitzer sucht, durch die Modellierung die runden Körperformen zu
beto-nen, wobei aber die Binnenschraffur nicht immer die Kurve der zu
modellie-renden Form mitverfolgt. Die vollen Kindergesichter Magliolis werden bei
Jamnitzer zu kleinen pausbäckigen, kugelrunden Köpfen mit himmeinden
Augen. Zusammenfassend: das Italienisch-Barocke Magliolischer
Komposition wird in der deutschen Interpretation zu derb-grottesker Darstellung
gewandelt.
Die hier durch vergleichende Betrachtung gewonnene Erkenntnis der
Abhängigkeit Jamnitzers von Giovanni Andrea Maglioli findet durch deutsche
Nachstiche nach dem italienischen Künstler ihre Bekräftigung.
Von Adam Fuchs, 1606 in Nürnberg begraben, sind 2 Fölgen zu 12,
bzw. 13 Bl. (Andresen 8—20, 21—32) mit Seeungeheuern und Meergöttern
bekannt, von denen ein Blått 1605 datiert ist.1 Es sind originalgrosse
Ge-genstiche nach Magliolis Darstellungen mit Seefabel wesen, jetzt als nume-
1 Weitere deutsche Nachstiche nach Maglioli: 6 Bl. Friese mit je 4 verkleinerten
Ge-genstichen (Kupferstich-Kabinett, Berlin), 3 Bl. bez. de Bry excudit (vermutlich von Joh.
Theod. de Bry, 1561—1623, Frankfurt a/M.).
<< prev. page << föreg. sida << >> nästa sida >> next page >>