- Project Runeberg -  Das Erkenntnisproblem in Hegels Philosophie, die Erkenntniskritik als Metaphysik /
353

(1912) [MARC] Author: Adolf Phalén
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Das Erkenntnisproblem in Hegels Philosophie. 353
in der Verwerfung von Kants Ding an sich liegt also stets bei
Fichte eine Tendenz, aus dem Ich die Erkenntnis sowohl der
Form als dem Inhalt nach erklären zu wollen. Soll der Inhalt
nicht als ein Ding an sich seiend oder seinen Grund in einem
solchen besitzend gefasst, so muss er durchweg subjektiv und
aus dem Subjekt hergeleitet werden. — Wenn nun aber auch
Fichte fordert, dass in dem Subjekt auch der ganze Inhalt der
Erkenntnis enthalten sein soll, so bleibt dies doch nur eine For-
derung. Das Ich ist und bleibt das rein Differenzlose, und die
Differenz darin, mit deren Herleitung der ganze Inhalt der Er-
kenntnis hergeleitet sein soll, ist nur gefordert, eine stets unge-
löste Aufgabe. Das Ich ist die Kopula in dem Urteil, die Ver-
bindung ohne Verbundene, die reine Einheit. Der Satz: A ist A
ist derselbe wie der: wenn A ist, so ist A. Durch den Satz
v^ird ein notwendiger Zusammenhang zwischen wenn und so
ausgedrückt, ein Zusammenhang zwischen dem A, das die logische
Stellung des’ Subjekts einnimmt, und dem, das als Prädikat steht,
und das demnach durch die Kopula des Urteils ausgedrückt ist.
Fichte bezeichnet diesen Zusammenhang mit X, und dieses X ist
das reine Ich, Ich ~ Ich oder Ich bin, das demnach die Kopula in
dem Urteil ist^ Es ist nicht so, dass der Satz: Ich bin Ich, ein
Urteil in eigentlichem Sinne ist, denn hier sind keine Differenten,
die in dem Urteil verbunden sind. »Man nehme an, dass das im
obigen Satze in der Stelle des formalen Subjekts stehende Ich das
schlechthin gesetzte, das in der Stelle des Prädikats aber das sei-
ende bedeute; so wird durch das schlechthin gültige Urteil, dass
beide völlig Eins seien, ausgesagt — — —.»- Die Differenz in
diesem Urteil ist die zwischen dem Ich, das ist, und dem Ich, das
sein eigenes Sein setzt, zwischen Handeln und dem Produkt des
Handelns, dem Tätigen und dem, was durch die Tätigkeit hervor-
gebracht wird. Diese aber sind nicht different, sondern ein und
dasselbe. »Handlung und Tat sind Eins und ebendasselbe.»^ Das
Ich ist demnach die Verbindung ohne Verbundene, die Kopula,
durch welche keine Differenten auf einander bezogen werden, und
somit die differenzlose Einheit. — Ein Urteil über das Ich ist ein
thetisches Urteil, ein solches aber widerstreitet der logischen Form
1 S. 93-95.
2 S. 96.
^ Ebenda.
PhaUn: Das Erkenntnisproblem etc. 23

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