- Project Runeberg -  Das Erkenntnisproblem in Hegels Philosophie, die Erkenntniskritik als Metaphysik /
425

(1912) [MARC] Author: Adolf Phalén
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- Das Erkenntnisproblem in Hegels Philosophie. 425
Hegels Aufgabe fasst Trendelenburg unmittelbar als die er-
kenntnistheoretische. Die Frage ist: »Wie kommt das Denken
zum Sein? Wie tritt das Sein in das Denken?»^ Das Denken
ist das in der Zeit sich entwickelnde denkende Bewusstsein. »So
lange im Erkennen Denken und Sein noch in unbewusster Einheit
ruhen, so dass Denken gleich andern Naturtätigkeiten vollzogen
wird, sich aus sich und durch sich selbst gewiss: so lange kann
gar nicht gefragt werden, wie das Erkennen möglich sei.»^ Hier
ist offenbar das Denken als in der Zeit sich entwickelnd gefasst.
» — — —, so behauptet die dialektische Methode eine Selbst-
bewegung des reinen Gedankens, die zugleich die Selbsterzeugung
des Seins sei.»^ »Es ist der Grundgedanke der hegelschen Dialek-
tik, dass das reine Denken voraussetzungslos aus der eigenen Not-
wendigkeit die Momente des Seins erzeuge und erkenne.» Ein sol-
cher voraussetzungsloser Anfang ist nun jedoch nach Trendelen-
burg unmöglich. Soll nämlich von dem reinen Sein fortgegangen
werden können, so muss darin etwas hineingedacht sein, das nicht
in demselben liegt, nämlich das Werden. Dieses ist dann von dem
Denken vorausgesetzt. Das Werden soll nicht in dem Sein und
dem Nichts enthalten sein können, denn beide sind ruhend. Die
Vereinigung beider kann da nicht sein, dass das Eine das Andere
wird, sondern nur eine ruhende Einheit. Das Werden ist also
vorausgesetzt. »Das reine Sein, sich selbst gleich, ist Ruhe; das
Nichts — das sich selbst Gleiche — ist ebenfalls Ruhe. Wie
kommt aus der Einheit zweier ruhenden Vorstellungen das bew^egte
Werden heraus? Nirgends liegt in den Vorstufen die Bewegung
vorgebildet, ohne welche das Werden nur ein Sein wäre. Da so-
wohl das reine Sein als auch das Nichtsein Ruhe ausdrückt, so
kann folgerichtig die nächste Aufgabe des Denkens, wenn die Ein-
heit beider gesetzt werden soll, nur die sein, eine ruhende Verei-
nigung zu finden.» Hierauf könnte ja Hegel wohl antworten, dass
das Werden nicht werdende im Gegensatz zur ruhenden Einheit
ist, dass das Werden die Einheit schlechthin ist. Das Werden
steht hier nicht der Ruhe gegenüber, sondern drückt die logische
Einheit von Sein und Nichts aus. Das Sein, das Nichts ist, das

Logische Untersuchungen, I, 2. Aufl., S. 135.
2 S 133.
^ Wir folgen hier der Darstellung im dritten Kapitel »Die dialektische
Methode» und geben die Stellen nur an, wenn wir uns auf Bemerkungen in an-
deren Kapiteln stützen.

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