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vorchristliche erlösungslehriin
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mit dunkler Gewalt derartig nachwirkt, dass eine fast
unübersehbare Erklärungsliteratur uns bisher für mein Empfinden nur
kümmerliche und unbefriedigende Resultate ergeben hat. Dass
Paulus den Vollbegriff dessen, was der Grieche mit dem Wort
Seele, Auyjj, verbindet, als Jude nicht nachzuempfinden vermag,
dass die individuelle Seele, die er hier einzig heraushört, ihm
etwas Niedriges, der Materie Nahverbundenes bleibt und er
darum das Wort im allgemeinen meidet, ist wohl bekannt; aber
hat man auch darauf geachtet, dass der Begriff, den er daneben
einführt, der Begriff des Pneuma, bei ihm tatsächlich jener
Gesamtbegriff ist, den wir in den Bezeichnungen Urmensch, Odem,
Selbst und Seele bisher verfolgten, jenes Gottwesen, das wohl
im einzelnen ruhen, ja als sein eigen oder sein Selbst bezeichnet
werden kann, und das doch immer zugleich das göttliche Ganze
ist? Und doch gewinnen erst von hier aus die Aussagen des
Paulus über das Pneuma ihre volle Erklärung und werden uns.
wirklich lebendig. Es scheint mir von höchster Bedeutung, dass
sich sprachlich erweisen lässt, dass Paulus diese Zerlegung in
zwei Begriffe in ihrer griechischen Formulierung schon dem
Hellenismus entnommen hat,1 wenn er auch Anknüpfungspunkte
für beide auch in dem griechischen Alten Testament fand.
Zu der individualisierenden Auffassung unseres geistigen
Teiles bei Jesus, der nach dem Personenbilde der Evangelien
ganz frei von aller eigentlichen Spekulation rein von dem
tiefsten Empfinden ausgeht, führt — so seltsam das zunächst
klingen mag —- ein ganz anderer Faktor der Entwicklung zurück,
den ich in der Einleitung kurz erwähnt habe, und den der
Philologe besonders gern hervorhebt. Ich deutete oben schon an,
dass das Griechentum, dem die Philosophie die Religion ersetzt
hatte, nur eine ganz auf die Einzelseele gestellte Religion hätte
übernehmen können. Ihm gehört in Wahrheit diese Ausbildung
des Begriffes Seele in unserer Religion an. Von den wenigen
Schriften im griechischen Alten Testament, welche der
Unsterblichkeitshoffnung Ausdruck geben, redet nur eine, das vierte
Makkabäerbuch, eine von den allgemein umlaufenden Gedanken
griechischer Philosophie durchtränkte, rein rhetorische Schrift,
an zwei Stellen (c. 14,6; 18,23) von der »unsterblichen Seele».2
1 Vgl. mein Buch »Die hellenistischen Mysterienreligionen», 2 Aufl.
S. 47 ff., 162 ff, 175.
2 Ein ähnliches Pathos, wie in dem Eingang des Messias, »Singe,
unsterbliche Seele» soll man empfinden.
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