Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Tor Andrae, Der Ursprung des Islams und das Christentum - II. Dichter und Hanifen
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DER URSPRUNG DES ISLAMS UND DAS CHRISTENTUM 2 o I
der Umstand, dass die Gedichte in den Prophetenlegenden und
vor allem in der Paradiesbeschreibung (Ps. Ballß ed. HUART,
Public, de lÉcole des Langues Orientales vivantes Sèr. IV T.
XVI, 202) mehrere Züge bieten, die sowohl dem Koran als
dessen Kommentaren unbekannt sind (a. a. o. 154, 161). In
der oben erwähnten Paradiesbeschreibung findet Hu ART »un
passage qui est capital pour montrer 1’authenticité des poésies
dUmajja». Der Dichter zählt zu den Speisen, die die Seligen
geniessen, »le blé, les pommes et la viande d’agneau». Ein
Muslim hätte sich nicht erdreistet, diese dem Koran
unbekannten Aussagen in die Paradiesvorstellung einzuführen. Die hohe
Schätzung dieser Stelle scheint mir nur erklärlich unter der
Voraussetzung, dass der Verfasser Sure 52: 22 übersehen hat,
der zufolge die Seligen »mit Früchten und Fleisch von jeder
Art, wie sie sich’s wünschen», versorgt werden. Oder wäre
wirklich ein solches Gewicht darauf zu legen, dass der Dichter
zu den Granatäpfeln, Bananen und Datteln des Korans noch die
Apfel und das Korn aufzuzählen wagt?
Die These von einer neuen Quelle des Korans zeigt sich
somit nicht besonders stark begründet. Aber noch mehr: sie
unterliegt den schwersten Bedenken. Wären wirklich die
religiösen Gedichte ’Umajjas echt, dann wäre uns erst ein Problem
geschaffen, das ungleich schwieriger zu lösen wäre, als das von
dem Ursprung der koranischen Theologie. Es heisst nämlich
keineswegs dem Tatbestand gerecht sein, wenn man sagen
wollte, dass die Gedichte Umajjas auffallende Berührung mit
dem Koran aufzeigen. Sie setzen sich vielmehr in
beträchtlichen Stücken aus Wörtern und Phrasen zusammen, die als
koranisch sogleich erkannt werden und die eigentümlichen
Termini, die charakteristischen, stereotypen Redeweisen des Korans
kehren bei ’Umajja wieder. Steht Muhammed wirklich in seiner
Schuld, dann hat er nicht nur Vorstellungen und Termini,
sondern seinen ganzen Stil, sein dichterisches Selbst, von ihm
geborgt und die Weltliteratur würde sicherlich kein zweites
Beispiel einer solchen grandiosen Ungerechtigkeit der Geschichte
kennen: ein Plagiator, der sein Original ganz und gar
verdunkelt hätte. Und noch mehr: ’Umajja und seine Poesien müssen
in Mekka wohl bekannt gewesen sein. Wie hätte Muhammed
Muhammed von ’’Umajja gelernt habe, findet er unglaublich. Beide könnten
aus gemeinsamen Quellen geschöpft haben.
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