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’S2 R. R EITZEN STEIN
buddhistischen Märchen genügt diese Drohung, um den Unhold
zum Buddhismus zu bekehren, und gibt Buddha die Erzählung
als Typus für die Selbstërlösung.1 Aber sie hat eine Zeit lang nur
als Märchen bestanden und ist als solches bis nach Schweden
gedrungen; nur dass hier in einer Art Gegensatzbildung oder Umkehr
ein weiser Zauberer den bösen Unhold so fesselt, dass er ihn erst
mit dem rechten, dann dem linken Arm, dann mit dem rechten,
dann mit dem linken Fuss, endlich mit den Zähnen einen weissen
Stab berühren und daran haften lässt. Die Aehnlichkeit geht so
weit, dass für mein Empfinden nur literarische Uebertragung in
Frage kommt.
Doch zurück zu der manichäischen Fassung des Endkampfes.
Die Frage, ob wir in ihr einen uralten iranischen Göttermythos
oder eine junge, vielleicht gar vom Christentum schon beeinflusste
Neubildung Manis sehen sollen, wird entscheidende Bedeutung
selbst für unser Urteil über das nordische Ragnarök gewinnen.
Die Lehre Zarathustras erwähnt in ihren jetzt vorliegenden
Resten jenen ersten Kampf des Ormuzd oder Ahura Mazda nicht
ausdrücklich. Nur dass er die Seele in die Materie herabgesendet
oder irgendwie herabgebracht hat, wird einmal in einem der
ältesten Hymnen erwähnt2, und ein alter Bericht von dem Sündenfall
Bruder Yimas Taxmöruw wird so von Ahriman verschlungen und von Yima
befreit. Er scheint nach H. Junker, Über iranische Quellen der
hellenistischen Aionvorstellungen, Vorträge der Bibliothek Warburg I, 192.3, S. 140
u. 164, das Gegenbild zu dem manichäischen Urmenschen, der »Gewaffnete»,
den ich in der Abhandlung über die Göttin Psyche mehr ahnen als wirklich
nachweisen konnte (Sitzungsber. d. Heidelberger Akademie, 1917, Abh.
10, S. 40). Wer die Gestalt des manichäischen Urmenschen in die ältere
Mythologie zurückverfolgen will, muss gewiss von Gayomardt ausgehen, darf
sich aber nicht auf den einen Namen beschränken.
1 Er vergleicht freilich ein mythisches Bild der Befreiung des Mondes
aus dem Hachen des Rähu.
2 Die alte avestische Quelle des Bundahisn (cap. 2) gibt die grossartige
Auffassung als Lösung, dass die Seelen frei den Niederstieg zur Erde gewählt
haben, um dem Ahura Mazda in seinem Kampf gegen Angra Mainyu zu
dienen. Sie liegt auch dem Manichäismus zu Grunde (vgl. Salemanns Fragment,
Bulletin de 1’Académ.ie de St. Petersbourg, 1912, Sitzung vom 28.9. 1911, S.
12 ff.); der Urmensch ist nur Träger und Zusammenfassung der Seelen;
Voraussetzung ist, dass in der Apokatastasis (wie bei Origenes) alle Seelen gerettet
werden. Diese Auffassung lebt in Persien fort. Schon Justi (Bundah.,
S. 4) verweist auf Haarbrücker Shahrastani I, 277. Auch die Mandäer
bewahren diese Lehre für ihren Urmenschen, der Niederstieg der Seelen aber
erscheint bisweilen als unfreiwillig, ihnen zur Strafe oder Läuterung auferlegt;
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