- Project Runeberg -  Kyrkohistorisk Årsskrift / Tjugufjärde årgången, 1924 /
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(1900)
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - R. Reitzenstein, Weltuntergangsvorstellungen

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R. REIT ZEN STEIN

Adamsspeculationen entstandenen Formeln hat dann einen späteren
Skalden dazu veranlasst, nun auch das Gehirn unter dem Schädel
mit den Wolken unter dem Himmel zu vergleichen.1 Freilich war
dieser Zusatz zu klein, um eine weitere Strophe wirklich zu füllen;
so brachte er in ungeschickter Wiederholung in ihr noch einmal
nach der Erde und den Bäumen Midgard herein, das aus den Brauen
geschaffen sein soll; den knappen Ton der aufzählenden
Merkstrophe wusste dieser Interpolator nicht mehr zu wahren. Für
den Urtext ist mir literarische Einwirkung eines manichäischen
Textes ebenso sicher wie bei der nordischen Umbildung des
Märchens vom Prinzen Fünfwaffe.2

Wir sind hier wirklich einmal in der Lage, die Entstehung und
Ausgestaltung eines Mythos von Stufe zu Stufe verfolgen zu können.3

1 Der Gedanke selbst ist auch dem Perser nicht fremd, vgl. jetzt Goetze,
Zeitschr. f. Indologie und Iranistik II, 171, von dem ich freilich in der
Auffassung des Verhältnisses der Edda zum Iran etwas abweiche. Für die
Adams-speculation genügt es auf Diemer, Deutsche Gedichte des XI. und XII.
Jahrhunderts (1849), S. 320, 16 zu verweisen: von den wolchen das muot, oder in
dem angelsächsischen Dialog zwischen Saturn und Salomo (Thorpes Analecta
S. 95, Köhler Kl. Schriften II, 1) »aus den Wolken des Sinnes
Unbeständigkeit», oder im slavischen Henochbuch »seine Gedanken von der Schnelligkeit
der Engel und von der Wolke». Den Hergang erkennt man wohl am
einfachsten, wenn man sich die Frage vorlegt, welcher Gedanke natürlicher und
ungezwungener ist, »aus den Wolken kommt (und ihnen gleicht) das
Denken» oder »die Wolken sind aus dem Gehirn geschaffen».

2 Ich darf darauf hinweisen, dass auch A. v. Le Coq, Türkische Manichaica
aus Chotscho III, Abhandl. d. Preuss. Akademie 1922, S. 3 unter Verweis
auf seine Ausführungen in den Sitzungsberichten dieser Akademie 1909, S.
1205 dem Manichäismus die Vermittlung auch literarischer Stoffe von Indien
bis in den Westen und Norden Europas zuschreibt.

3 Bei der Wichtigkeit dieses Falles sei es mir gestattet, mich wenigstens
andeutungsweise mit den Behauptungen A. Christensens auseinanderzusetzen,
dessen treffliches Buch, Le premier komme et le premier roi dans l’histoire
légendaire des Iraniens I (Archives d’Études Orientales, Upsala, 1918) mir
erst lange nach Abschluss dieser Arbeit in die Hand fiel. Er nimmt (S. 35)
die gesamte Kosmogonie des Snorre Sturlison und vergleicht sie als Einheit
mit der iranischen, wie sie sich hauptsächlich im Bundahisn darstellt, und
kommt mit einer durchaus beachtenswerten methodischen Begründung zu
dem Ergebnis, die nordische Kosmogonie sei aus der iranischen entlehnt.
Die Erklärung sucht er, an Olrik anknüpfend, in einer Berührung der
Ostgothen mit den Kaukasus-Völkern. Allein, da er die Stelle des
Skand-Gumänig-Vizär übersieht, berücksichtigt er hier nur die zarathustrische Religion und
muss deren Angabe, dass aus Gayomards Leib die sieben Metalle in die Erde
geflossen sind, dazu umdeuten, dass aus ihm »die Teile der Welt gemacht

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