Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - R. Reitzenstein, Weltuntergangsvorstellungen
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Untergänge. Nur die Vorstellungen von der Feuerschlange im
Erdenschoss1 und von der Weltverschlechterung scheinen
Überbleibsel einer älteren, auch religiös bedeutsameren Lehre. Die
Weltverschlechterung äussert sich in dem Sittenverfall, in dem
Abstieg der physischen Kraft und in der Verringerung der
möglichen Lebensdauer des Menschen; nach ihr besimmt sich, wie beim
saeculum der Römer, die Länge der Yugas und zwar in Indien,
auf 4000, dann 3000, dann 2000, endlich 1000 Jahre.2 Hier finden
sich in der Tat Uebereinstimmungen mit der persischen wie mit
der nordischen Vorstellung.
Aber die persische Vorstellung ist ja nicht einheitlich. Sie
lässt einerseits in den vier Weltperioden eine allmähliche
Vervoll-kommenung eintreten, die einen Götterkampf am Schluss überflüssig
machen müsste, und schildert andrerseits in dem jungen, aber
nachweislich auf sehr alte Tradition zurückgehenden
Bahman-yast vor ihm eine Periode der Verschlechterung der Welt, des
Abfalls und der Bedrängnisse, die nur durch ein gewaltsames
Eingreifen der Götter mit dem vom Zarathustrismus postulierten
glücklichen Ausgang in Einklang gebracht werden kann. Ihre
natürliche Folgerung wäre der Weltuntergang. Wohl will
Söderblom, der den Grundgedanken der Vervollkommenung in der
Haupttradition nachdrücklich hervorhebt, jene Periode der
Weltverschlechterung aus den tatsächlichen Verhältnissen der Spätzeit
als eine Art Historisierung der Apokalypse erklären. Aber dem
widerspricht nach meinem Empfinden die Zusammenstellung
ähnlicher Weissagungen, die Olrik bietet; es sind feste typische
Züge, die in allen wiederkehren.3 Dass er sie auch in der eigenen
1 Im Mahäbhürata XII, Adh. 314 geschieht die Weltvernichtung durch
Feuer, Wasser und Wind; ebenda 304 bilden vier Yugas ein Kalpa, tausend
Kaipas einen Brahmantag (wie tausend Jahre einen Tag Jahves).
2 Bemerkenswert scheint mir, dass die Yuga-Lehre im Mahäbhärata
einmal (III Vana parvan 188—190) in der jainistischen Form erscheint: jeder
Tag ist eingerahmt von zwei Dämmerungen, der erste 400 + 4000 + 400, der
zweite 300 + 3000+300, der dritte 200 + 2000 + 200, der letzte 100+1000+100
Jahre lang, die Periode also 12000 Jahre wie die persische Weltzeit. An
babylonische Zahlenspielerei und persische Vermittlung zu denken wäre
vielleicht möglich.
3 Ich füge zwei Beispiele hinzu, die schon früher erwähnte älteste
christliche Apokalypse, Markus cap. 13, deren Sonderüberlieferung und Charakter
ich Göttinger Gel. Anzeigen 1921, S. 172 nachzuweisen versucht habe. Die
Bemerkung, dass Gott diese Tage verkürzt habe, weil sonst alle Menschen
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