- Project Runeberg -  Kyrkohistorisk Årsskrift / Tjugufjärde årgången, 1924 /
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(1900)
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Tor Andrae, Der Ursprung des Islams und das Christentum. III. Die Eschatologische Frömmigkeit Muhammeds

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DER URSPRUNG DES ISLAMS UND DAS CHRISTENTUM

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streng abrechnenden Gerechtigkeit wird nach allgemeiner
Anschauung dadurch Genüge getan, dass die Frommen alle
Uber-tretungen durch Strafleiden in diesem Leben sühnen müssen,
weshalb ihrer aber im Jenseits nur noch der Lohn für ihre
guten Werke wartet; mit den Sündern dagegen steht es
umgekehrt (Taanith 11 b).1

Während im späteren Judentum der Gerichtstag als solcher
immer mehr an Bedeutung verliert, treten statt dessen die
Strafen bzw. Belohnungen, welche unmittelbar nach dem Tode
zu erwarten sind, in den Vordergrund. Die Gedanken weilen
bei dem dramatischen Augenblick, wo der Mensch den Furcht
erregenden Todesengel erblickt oder bei der Züchtigung, die
er im Grabe vornimmt und von der es heisst, dass sie ein
Gerichtstag ist, der schwerer ist als das Gericht der Gehinnom!2
Auch die Belohnung tritt wenigstens für die besonders
Frommen sogleich nach dem Tode ein.3 Die spätere jüdische
Apo-kalyptik, (der hebr. Henoch, Asc. Mo sis, die Offenbarung des R.
Joshua b. Levi, die Elias- und die Zerubabelapokalypse usw.)
ergeht sich wie die verwandte christliche Apokalyptik gern in
drastischen Schilderungen der Höllenqualen und der Paradiesfreuden.
Allen schauerlichen Ausmalungen zum Trotz hat man doch
gerade bei der Beschreibung der Höllenqualen den bestimmten
Eindruck, dass jedenfalls die Freude an den Phantastereien
über diese verborgene Welt die Furcht vor den vorgeführten
Schreckensbildern weit überwiegt.

Was nun endlich die direkte Motivation der Sittlichkeit
durch den Gerichtsgedanken betrifft, so wird man wohl mit
BOUSSET4 das für das Judentum Charakteristische darin sehen
müssen, dass eine solche Motivation und die daraus fliessende
»weltüberlegene, weitabgewandte, zu jedem Opfer bereite
heroische Stimmung», die das Urchristentum kennzeichnet, fast gänzlich
fehlt. Die spärlichen Belege, die sich für eine solche anführen
Hessen (z. B. Berachot 28 b)5 sind in der Tat die Ausnahmen,
die die Regel bestätigen.

Wie aus dem allen hervorgeht, ist die religiöse Stimmung,

1 Wünsche, Der babylonische Talmud, I, 433.

2 Wünsche, Aus Israels Lehrhallen, III, 3.

1 Vgl. Schürer, Gesch. des jiid. Volkes, II, 641.

4 Die Religion des Judentums, 395.

5 Wünsche, Der babyl. Talmud, I, 45.

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