Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Tor Andrae, Der Ursprung des Islams und das Christentum. III. Die Eschatologische Frömmigkeit Muhammeds
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TOR AND RAE
witter, das erst am fernen Horizonte leuchtet. Und doch
harren die Christen dem Ende sehnsuchtsvoll entgegen, aber zum
Teil aus anderen Gründen als die ersten Jünger. Der
Gerichtstag wird für die Gläubigen der verfolgten Kirche wieder vor
allem der Tag, wo die Feinde und Bedrücker die Vergeltung
für ihre Taten erhalten werden, er wird sogar der Tag der
Rache und der Genugtuung für die Gläubigen (vgl.
LACTANTIUS, Inst. V, 29: 5). Es ist kein Zufall, dass jetzt wieder
(bei COMMODIANUS und LACTANTIUS) der ganze Apparat der
jüdischen Apokalyptik aufgenommen wird.1 Es ist der Geist
des Judentums, der jetzt die Zukunftshoffnung b’eseelt. Der
christliche Apokalyptiker ist sich bewusst, auf der sicheren
Seite zu stehen, und daher kann er das Gerichtsdrama
schildern »avec un enthousiasme de dévot sür d’aller au Paradis».2
Ein unerhört engherziger Partikularismus tritt uns in den
escha-tologischen Ausführungen des LACTANTIUS entgegen. Er kann
sogar voraussetzen, dass einige wenige Heiden bei dem
Vernichtungsgericht des hereinbrechenden messianischen Reiches
geschont werden sollen, nur »damit die Gerechten über sie
triumphieren» (Inst. VII, 24).
Eine verwandte Anschauung findet sich auch bei
Cypria-NUS. Von der Furcht der Christen vor dem Tage des Gerichts
ist hier nicht mehr die Rede, sondern nur noch von der
Hoffnung, der inbrünstigen Sehnsucht, die die Gläubigen in
Erwartung des kommenden Tages erfüllt. Precibus frequenter
iteratis rogamus et poscimus ut acceleret dies regni [De
Mor-talitate XVIII). Gleich Fremden, die in den Ketten dieser
Welt gefangen liegen, sehnen sich die Christen nach ihrer
wahren himmlischen Heimat. Aniplectainur diem, qui assignat
singulos domicilio suo, qui nos istinc ereptos et laqueis
sae-cularibus exsolutos paradiso restituit et regno (ib. XXVI). Dort
in der Heimat harren ihrer die Lieben, die vorangegangen
sind: Patriarchen, Propheten Märtyrer, virgines und Gerechte.
Ad hos, fratres dilectissimi, avida cupiditate properemus et cum
his cito esse, ut cito ad Christum venire contingat, optemus (ib.
XXVI). Der jüngste Tag ist gewiss auch ein Tag des
Gerichtes. Als solcher ist er aber eigentlich nur für die Bösen,
die Feinde und die Verfolger da. Die Glieder der kämpfenden
1 Seeberg, Dogmengeschichte, 554 f.
2 P. de Labriolle, Histoire de ta tittérature latine (Paris 1920), 239.
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