- Project Runeberg -  Kyrkohistorisk Årsskrift / Tjugusjätte årgången, 1926 /
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(1900)
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Peter Josef Wagner, Über die Beziehungen zwischen Morgenland und Abendland in der mittelalterlichen Musik

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PETER JOSEF WAGNER

Beginn der christlichen Ära ein. Ihr Haupteinlasstor war die
christliche Liturgie. Hier handelt es sich demnach um
Beziehungen des östlichen Kultgesanges zu demjenigen des Westens.
Diese künstlerische Interessengemeinschaft hat bis zur
endgil-tigen Trennung beider Kirchen bestanden, und gleichzeitig mit
dem kirchlichen Bruch erfolgte der musikalische, den die
Erfindung des Liniensystems durch Guido von Arezzo äusserlich
bezeichnet, in der ersten Hälfte des Ii. Jahrh., seit welcher
Orient und Okzident in der Tonschrift ihre eigenen Wege gehen.

Eine zweite Welle orientalischer Musik zog die Berührung
mit den Sarazenen in Spanien und Sizilien, und während der
Kreuzzüge nach sich. Sie kam vornehmlich den Instrumenten
zugute, von denen viele damals der lateinischen Kunst und
Kultur vermittelt wurden. Zugleich hielten manche Formen
arabischer Gesangsmusik ihren Einzug in die südfranzösische
Übung. Auch die Musiktheorie des Abendes blieb von diesen
Einwirkungen nicht frei, und zwar reichte die Herübernahme
muselmännischer Gelehrsamkeit über die Zeit der Vordringens
des arabischen Aristotelismus in die Gedankenwelt des
Abendlandes im 12. und 13 Jahrh. hinaus.

Lassen Sie mich des Näheren auf die damit skizzierten
Entwicklungslinien eingehen. Ein Umstand, der gleich beim
Eintritt in die Untersuchung der mittelalterlichen Musik zu denken
gibt, ist die Verschiedenheit ihres tonschriftlichen Kleides von der
antiken Musikschrift. Zwar ist der unter den Papyri von
Oxyr-rhynchos gefundene fragmentarische christliche Hymnus1 in
griechischer Buchstabenschrift niedergeschrieben; aber er bildet
eine Ausnahme, die sich aus dem poetisch geformten Texte
erklärt. Wahrscheinlich ist er auch nicht einmal ein liturgisches,
sondern ein geistliches Privatlied, das Werk eines frommen und
musikbegabten griechisch-aegyptischen Christen. Die ganze
Sammlung aber von Gesängen in den liturgischen Büchern
lateinischer, aber auch griechischer und armenischer Herkunft
steht in der sog. Neumenschrift aufgezeichnet, die keine
Fortsetzung der altgriechischen Tonschrift darstellt, sondern ihren
Ursprung nach Asien zurückleitet. Ausserhalb der Analogie
mit den antiken Gesangstexten stehen die christlich liturgischen
auch insofern, als sie ganz überwiegend in Prosa geformt sind,

1 Vgl. Abert in der Zeitschrift der deutschen Musikgesellschaft IV,
S. 524 und Ursprung im Bulletin de l’Union musicologique, III, p. 105 s.

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