Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Nathan Söderblom, Pater Max Pribilla und die ökumenische Erweckung. Einige Randbemerkungen
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PATER PRIBILLA UND DIF. ÖKUMENISCHE ERWECKUNG I I
noch offen und bluteten. Ich habe während des Krieges
öffentlich uns, die Neutralen, zu denen damals noch Amerika gehörte,
vor dem Pharisäismus der Neutralen gewarnt. Sicher empfanden
die anderen Exneutralen in Oud Wassenaer und in Champel
bei Genf wie ich den vollen Ernst der entsetzlichen
Schwierigkeiten unserer Brüder aus den kriegführenden Ländern. Die
gegenseitigen Anklagen von französischer und deutscher Seite in
Genf waren ernst und erschütternd. Freilich kann man zwei
Methoden wählen. Man kann die Situation dadurch erleichtern,
dass man die Gegensätze oder die Unterschiede durch
schweigende Ubereinkunft möglichst verbirgt und höflich ist. Man
kann auch den Grundsatz durchführen, völlig aufrichtig zu sein,
in der Überzeugung, dass nur durch offene und aufrichtige
Anerkennung der Schwierigkeiten etwas für gegenseitiges
Verständnis ausgerichtet werden kann. Wir evangelische
Kirchen-männer haben diese letztere Methode gewählt und um ein
brüderliches Verhältnis zwischen uns mit aller Kraft in Gebet und
Gespräch gekämpft. Wir bereuen es nicht. Martin Luther
meinte, dass wenn Christen einen wichtigen Gegenstand
behandeln, dürfen sie nicht die Beratung beendigen, ehe sie
einig sind.
Man kann auch warten. Nach dem leider missglückten
Versuche der Arbeiterbewegung waren die evangelischen
Kirchenmänner in Oud Wassenaer die ersten mit ihren Vaterländern
solidarisch verbundenen Menschen, die zusammenkamen, um
sich über die blutgedränkten Grenzen brüderlich die Hände zu
reichen, und ihre geistige Einheit in Christus zu bezeugen.
Unsere römisch-katholischen Brüder haben es vorgezogen zu warten.
Das wurde auch in Champel 1920 vorgeschlagen. Dadurch
entstand der nach meiner Meinung allerschwierigste Augenblick.
Ein alter, herzensfrommer Geistlicher erhob sich und sagte:
»Wir sehen, Brüder, es geht jetzt nicht. Die Zeit ist noch nicht
reif. Wir müssen warten und dann wieder zusammenkommen.»
Ich fragte leise meine Nebenmänner, einen Amerikaner und einen
Schweden, halb verzweifelt: »Werden wir so auseinander gehen?»
Aber das rechte Wort wurde vom Geiste gegeben und in
englischer Sprache gesprochen: »Mit grösster Mühe sind wir endlich
hier zusammengekommen. Was wollen wir der Kirche und der
2 — 31369. Kyrkohist. Årsskrift 1931.
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