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DREI GRUNDFRAGEN DER ÖKUMENISCHEN BEWEGUNG
I 2 JJ
und die Verflochtenheit der sozialen, wirtschaftlichen und
internationalen Fragen gefordert wird (vgl. dazu die von mir S. 246
zitierte Äusserung Harnacks).
Im Lichte dieser Gedanken ist es zu verstehen, wenn ich
das Naturrecht als geeignete, einwandfreie und tragbare
Grundlage für eine interkonfessionelle Zusammenarbeit aller Christen
auf sozialem Gebiet bezeichnete. Wer sich an dem Ausdruck
»Naturrecht» stösst, möge dafür mit Dr. Kapler die
»Lebensgrundsätze des Evangeliums» setzen; in der Sache kommt es
auf dasselbe hinaus. Es ist dabei keineswegs notwendig, das
Naturrecht ausdrücklich in das Programm der Zusammenarbeit
aufzunehmen oder die leitenden Grundsätze als naturrechtliche
anzuerkennen. Für die Zusammenarbeit ist wesentlich nur die
Übereinstimmung über die jeweiligen praktischen Ziele und die
Methoden, sie zu erreichen. Das Naturrecht als Grundlage ist
eine Erkenntnis der reflektierenden Vernunft, die nach den
Normen fragt, die eine interkonfessionelle Zusammenarbeit aller
Christen erklären und möglich machen. Selbstverständlich kann
jeder beteiligte Christ die Zusammenarbeit aus dem Motiv seines
besondern Glaubensbekenntnisses und seiner persönlichen
Beziehung zu Christus leisten, und je mehr unter den einzelnen
Christen oder Kirchengemeinschaften die Glaubensüberzeugungen
übereinstimmen, können auch diese in die Zusammenarbeit
eingesetzt werden. Dass wir aber die Glaubensüberzeugungen nicht
durchweg als gemeinsame Grundlage für die praktische
Zusammenarbeit aller Christen in Anspruch nehmen können, sondern
uns auf die naturrechtlichen Grundsätze bzw. auf die
Lebensgrundsätze des Evangeliums beschränken müssen, das ist eben
die leidige Folge der Glaubensspaltung und beweist, dass die
Stockholmer Bewegung allein nur einen (wenn auch sehr
wichtigen und notwendigen) Notbau zustande bringen kann. Die
Unterschiede in den Glaubenslehren werden sich auch bei der
praktischen Zusammenarbeit immer wieder störend geltend machen.
Es mag sein, dass diese meine Ausführungen unseren
protestantischen Brüdern zunächst sehr fremdartig erscheinen. Wir
müssen ja beiderseits viel Geduld anfbringen, um den
Standpunkt der Gegenseite zu verstehen, weil wir so lange theoretisch
und praktisch ganz verschiedene Wege gegangen sind. Darum
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