Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - Undersökningar - Erich Burger, Deutsche Kirchenmelodien in Schweden. Ein Beitrag zur Geschichte der schwedischen Reformation - IV. Ergebnisse der Vergleiche - 4. Die »Mora-Psalme»
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erich burger
bei schottischen Volksmelodien bemerkt worden sein.1 Und was
wäre natürlicher, als dass eine Kunstform, die volkstümlichem Geiste
entsprang, nicht auch weiter Eigentum des Volkes bliebe und eine
lebendige Weiterentwicklung fände?2 Dazu kommt, dass in der
Sequenz von vornherein das Musikalische primär und selbständig war
und dadurch die Kraft hatte, einen eigenen entwicklungsfähigen
Melodietypus zu bilden, wie er uns dann im geistlichen Volkslied
begegnet. Dass dieses nicht, wie in den frühen Sequenzen die streng
syllabische Textunterlegung beibehielt, sondern sie zu Gunsten einer
architektonischen Profilierung sprengte, war eine natürliche und
folgerichtige Erscheinung.3 Parallel hierzu finden wir in den
schwedischen Sequenzen, wie z. B. des »Graduale Suecanum» und dem
national bedeutsamen Birgittin-Ritual4, eine so vorgeschrittene
Li-queszierung, dass wir einen Zusammenhang mit den
Verschleifungs-und Verzierungsformen der »Mora-Psalmen» wohl annehmen dürfen.5
Ebenso lassen sich vielleicht von hier aus wertvolle Rückschlüsse
auf die Vortragsmanier der Gregorianischen Gesänge in Schweden
ziehen.6
Immerhin ist die Eigenart der Mora-Psalme dadurch noch nicht
1 Vgl. Ferdinand Wolf, S. 275.
2 Vgl. Ferdinand Wolf (S. 276): ». . . Daraus erklärt sich schon
hinlänglich die stete Wechselwirkung zwischen der gregorianischen Gesangsweise
und dem Volksgesange der Kirchen und Volkspoesie, und wenn in späterer
Zeit wieder häufig Melodien von Volksliedern zu Kirchenchorälen verwendet
wurden und umgekehrt, so ist dies nur eine Wiederholung des ursprünglichen
Prozesses, eine aus innerer Notwendigkeit hervorgegangene, in dem
gemeinsamen Prinzipe begründete und dadurch bedingte Prozedur».
3 Dasselbe ist auch für die spätere Form der Sequenz nachgewiesen. Vgl.
J-ach, S. 293.
1 Veröffentlicht von O. Byström, Bd. I.
5 Hierbei ist natürlich noch die mangelhafte rhythmische Notierung jener
Zeit zu berücksichtigen, die uns so gut wie gar nichts sagt von den Portamenti,
Schleifen, Vor- und Nachschlägen, überhaupt von dem improvisatorischen,
echt volkstümlichen Colorieren, das wir für den gregorianischen Gesang der
Spätzeit wohl in reichem Masse annehmen dürfen. — Zur Melismatik der
Sequenzen vgl. auch Moberg, S. 262—263.
6 Darauf wies im Prinzip zuerst G. Schünemann hin bei seinen
Untersuchungen über »Das Lied der deutschen Kolonisten in Russland», das sich
— eben durch die Aufnahme gregorianischer Elemente — in vielem mit dem
unsrigen berührt. Dieser fruchtbare Gedanke mag hier nun eine weitere
Bestätigung finden.
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