Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - III. Granskningar och anmälningar - Helge Ljungberg, Den nordiska religionen och kristendomen (Professor Helmut de Boor)
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2Q4
GRANSKNINGAR OCH ANMÄLNINGAR 304 .
spielt, ist die heroische Dichtung. Sie ist ihrem Wesen nach älter
als alle andern unmittelbar zugänglichen Quellen. Sie stellt uns
den Menschen in Augenblicken höchter sittlicher Bewährung vor
dem Problem dar, das sonst religiöses Verhalten am vorbehaltlosesten
auslöst, vor dem Problem des Todes. Aber dem germanischen
Heldenlied ist der Gott fremd •—■ kein Aufblick zu ihm begleitet
das Ende des Helden. Auch die jüngere Schicht heroischer
Dichtung des Nordens, die den Gott einführt (Bravallascblacht, Hrolf
Kraki usw). lässt weder Gott noch Jenseits zu bestimmenden Mächten
aufwachsen. Die grosse jenseitige Macht der sich der heroische
Held gegen übersieht und mit der er sich auseinandersetzt heisst:
Schicksal.
3.) Unter den wenigen Zeugnissen, die in der Saga für das
Verhältnis heidnischer Isländer zu den Göttern erhalten geblieben
sind — vermutlich, weil auch hier der Gott verworfen und der
Tempel zerstört wird — ist die berühmte Stelle der Hrafnkelssaga.
Hier finden wir das klarste Beispiel von Tempelbruch und
Bildverbrennung innerhalb der heidnischen Welt. Aber weder wird
Hrafnkels sittliche Persönlichkeit davon berührt, noch — was in
unserem Zusammenhang wichtiger ist — spürt man eine öffentliche
Empörung gegen die Tat der Thjöstarssöhne oder gar eine
rechtliche Verfolgung wegen Gotteslästerung. In ihrer faktischen Stellung
und öffentlichen Schätzung bleiben sie ungebrochen, was sie waren,
geachtete Häuptlinge und Goden -—- was damals noch bedeutet:
Tempelbesitzer und Kultträger. Hätte Lj.s These uneingeschränkte
Geltung, so mtisste dieser handfeste Einbruch in den Kult mitten
in ungebrochenem Heidentum eine gewaltige Gegenreaktion
hervorgerufen haben.
4.) Die Haltung der mächtigsten religiösen Urkunde des späten
Heidentums, der Völuspä, scheint mir klar zu verraten, dass für
ihren Dichter mächtigere und wesentlichere religiöse Kräfte vorhanden
sind als die Götter. Die Götter unterstehen nicht nur dem Schicksal
— das ganze Streben des Dichters scheint mir dahin zu gehen,
der Götterwelt Sinn und Tiefe gerade dedurch zu geben, dass er
sie dem Schicksal unterordnet und ihnen damit die Fähigkeit
heroisch-sittlicher Bewährung gibt. Wie der Mensch wert- und leblos
ist, solange er schicksalslos (örlgglauss Vsp. str. 17) ist, so erscheint
auch die schicksalslos-heitere Frühzeit der Götter in einer
blass-relieflosen Helle, die erst Ernst und Fülle erhält, als die
Schicksalsmädchen in die Welt kommen.
Alles in allem scheinen mir schwerwiegende Gründe vorzuliegen,
im religiösen Gesamtleben der Germanen den Göttern zwar einen
Rang, aber nicht den höchsten oder gar absoluten zu geben, sondern
sie nur als einen wenigstens grundsätzlich peripheren Teil der
religiösen Welt zu betrachten.
Dennoch hat Lj. die Tatsachen ganz richtig gesehen. Er hat
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