Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - III. Granskningar och anmälningar - Helge Ljungberg, Den nordiska religionen och kristendomen (Professor Helmut de Boor)
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GRANSKNINGAR OCH ANMÄLNINGAR
297 .
religiös unterbaut war, retten zu können, indem er ein Aussenwerk,
den Götterkult opferte.
Gegen diesen Kult aber richtete sich die Mission mit einseitiger
Wucht ■—• ganz natürlich, von ihren geistigen Voraussetzungen aus.
Der Stoss ist, wenn man so sagen darf, schief geführt; er trifft,
religiös gesehen, nicht ins Zentrum. Und begegnet darum, solange
er religiöse Verkündigung bleibt, auffallender Toleranz. Aber früher
oder später wird er irgendwie das Gemeinschaftsdasein treffen, auch
wo er nicht ausgesprochen von politischer Gewalt begleitet ist.
Der Götterkult, an sich am Rande des Gemeinschaftsdaseins, rückt
in den Mittelpunkt des Kampfes, weil er die angegriffene Stelle ist.
Der Kampf wogt gerade um ihn, nicht weil er das Wichtigste war,
sondern weil ihn die Kampfesweise der Mission zum Wichtigsten
machte.
Ohne Zweifel hat das auf das religiöse Leben selbst
zurückgewirkt. Götterkult und Götterfrömmigkeit haben in den letzten
Dezennien des nordischen Heidentums an Wucht und Tiefe gewonnen,
weil sie zum Symbol wurden; eine jener Motivverschiebungen, mit
denen Ljungberg so gerne rechnet. »Wiederhersteller des
Tempelkultes» wird ein Ehrenname Hakon jarls bei den Skalden. Und
das ernsthafte Ringen um eine tiefere Gründung der
Götterfrömmigkeit, das in der Völuspä den leidenschaftlichsten Ausdruck fand,
und dessen Zusammenhang mit den Jarlen von Hladir ich
anderwärts (Islandfestschrift 1930) eingehend dargelegt habe, ist die
unmittelbare Folge der Auseinandersetzung mit der Mission. Das
gibt den Missionsgenerationen jenes besondere Gepräge, das
Ljungberg richtig erspürt, aber verallgemeinert hat.
Aber andrerseits nahm diese Sachlage dem heidnischen Widerstand
die unmittelbare Wucht. Wo er nachgab, konnte er meinen, nichts
Wesentlichstes aufzugeben. Nichts zeigt es klarer als die geradezu
rührend naiven Sonderbedingungen, die die heidnische Partei vom
Allthingi des Jahres 1000 glücklich mit heimbrachte. So erlebt
ein geistig hochstehendes Volk keine bewusste Geisteswende! Und
der immer wiederholte hamingja-Gedanke bei den Erfolgen der
Olafe verrät uns eine Menge. Überschattetsein von der Hamingja
eines glückhaften Königs wog zuletzt stärker als der Tempelkult,
weil es handgreiflicher är ök fridr verbürgte.
Darum endlich gibt es in aller germanischen Missionsgeschichte
die Zeit des grossen Niederbruchs nach der Bekehrung, die
Mero-vingerzeit, die Sturlungenzeit, Harald hardraöi und seine Nachfolger.
Eben weil der Sieg an einem Aussenposten erfochten war, ging der
Kampf um die Hauptstellung erst an. In ihm verschlatften die
alten Bindungen germanischer Ethik, ohne dass von der neuen
christlichen mehr als die äusserlichen Formen (Fasten, Beichte
Almosen usw.) begriffen waren.
So etwa stellt sich mir die Entwickelung dar. Der Unterschied
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