- Project Runeberg -  Lehrbuch der physiologischen Chemie /
652

(1910) [MARC] Author: Olof Hammarsten - Tema: Chemistry
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - 15. Der Harn - II. Organische, physiologische Harnbestandteile

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652 Fünfzehntes Kapitel,
Leber und
Harnstoft’-
bildung.
Eigen-
schaften
und Keak-
tionen des
Harnstoffes.
Schiffs
Beaktion.
Salpeter-
saurer
Harnstoff.
werden, die dann zu ihrer Neutralisation eine grössere Ammoniakmenge in An-
spiuch nehmen. Dass es nach Anschaltung der Leber zu einer abnormen Säure-
bildung kommt, ist auch besonders von Salaskin und Zaleski i)
gezeigt worden
Man ist also gegenwärtig nicht zu der Annahme berechtigt, dass die Leber
das einzige Organ der Harnstoffbildung sei, und über den Umfang und die
ec eutung dei Harnstoffbildung aus Ammoniakverbindungen in der Leber
müssen fortgesetzte Untersuchungen weitere Aufschlüsse geben.
Eigenschaften und Reaktionen des Harnstoffes. Der Harnstoff
kristallisiert in Nadeln oder in langen, farblosen, vierseitigen, oft innen hohlen,
wasserfreien, rhombischen Prismen von neutraler Reaktion und kühlendem, sal-
peterartigem Geschmack. Er schmilzt bei 132° C. Bei gewöhnlicher Temperatur
lost er sich in der gleichen Gewichtsmenge Wasser und in fünf Teilen Alkohol.
Von siedendem Alkohol erfordert er einen Teil zur Lösung; in wasser- und
alkoholfreiem Äther ist er unlöslich, ebenso in Chloroform. Erhitzt man Harn-
stoff in Substanz in einem Reagenzrohre, so schmilzt er, zersetzt sich, gibt Am-
moniak ab und hinterlässt zuletzt einen undurchsichtigen, weissen Rückstand,
welcher unter anderem auch Zyanursäure und Biuret enthält und welcher, in’
Wasser gelöst, mit Kupfersulfat und Alkali eine schön rotviolette Flüssigkeit
gibt (Biuretreaktion). Beim Erhitzen mit Barytwasser oder Alkalilauge wie
auch bei der durch Mikroorganismen vermittelten sogenannten alkalischen Gärung
des Harnes spaltet sich der Harnstoff unter Wasseraufnahme in Kohlensäure
und Ammoniak. Dieselben Zersetzungsprodukte entstehen auch, wenn der Harn-
stoff mit konzentrierter Schwefelsäure erhitzt wird. Eine alkalische Lösung von
Natriumhypobromit zersetzt den Harnstoff in Stickstoff, Kohlensäure und Wasser
nach dem Schema: CONg H^ + 3 NaOBr = 3 NaBr COg -)- 2HgO -j- Ng.
Mit konzentrierter Furfurollösung und Salzsäure gibt der Harnstoff in
Substanz eine von Gelb durch Grün in Blau und Violett übergehende Färbung,
die nach wenigen Minuten prachtvoll purpurviolett wird (Schiffs Reaktion).
Nach Huppert^) verfährt man am besten so, dass man zu 2 ccm einer kon-
zentrierten Furfurollösung 4—6 Tropfen konzentrierter Salzsäure hinzufügt und
in dieses Gemenge, welches sich nicht rot färben darf, einen kleinen Harnstoff-
kristall einträgt. In wenigen Minuten tritt daini die tiefviolette Färbmig auf.
Der Harnstoff geht mit mehreren Säuren kristallisierende Verbindungen
ein. Unter diesen sind die mit Salpetersäure und Oxalsäure die wichtigsten.
Salpetersaurer Harnstoff, CO(NHg)g . HNOg. Diese Verbindung
kristallisiert bei schneller Ausscheidung in dünnen rhombischen oder sechsseitigen,
einander oft dachziegelförmig deckenden, farblosen Tafeln, deren spitze Winkeln
82° betragen. Bei langsamer Kristallisation erhält man grössere und dickere
rhombische Säulen oder Tafeln. Die Verbindung ist in reinem Wasser ziemlich
leicht, in salpetersäurehaltigem Wasser dagegen bedeutend schwerer löslich, und
*) Zeitschr. f. physiol. Cliem. 29.
-*) Huppert-Neubauer, Analyse des Harns, 10. Aufl., S. 296.

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