Full resolution (TIFF) - On this page / på denna sida - III. Jesaia. Der Prophet des ewigen Friedens - 1
<< prev. page << föreg. sida << >> nästa sida >> next page >>
Below is the raw OCR text
from the above scanned image.
Do you see an error? Proofread the page now!
Här nedan syns maskintolkade texten från faksimilbilden ovan.
Ser du något fel? Korrekturläs sidan nu!
This page has never been proofread. / Denna sida har aldrig korrekturlästs.
— 70 —
Denn Liebe begehr’ Ich,
und nicht Schlachtopfer ;
und Wissen um Gott
mehr als Brandopfer.
Merke dir wohl diesen Satz, so sagtest du mir damals,
denn dieser ist der Schlüssel, der den Eingang in das
Allerheiligste der prophetischen Religion öffnet. Dieser
Satz ist kein poetischer Parallelismus, er sagt zweierlei
aus: die zwei tragenden Kräfte der Religion seien Sitt-
lichkeit und Gottgefühl, die Gerichtetheit des Men-
schen zum Menschen und die des Menschen zu Gott.
Das ist mehr und anderes als Amos’ Gerechtigkeits-
religion. Und nun hast du mich sehen lassen, wie Jesaja
in dieses hoseanische Wunderwort Leben gehaucht, wie
er diesen Funken zur hellen Flamme entfacht hat.
DER ALTE: Was du, mein Sohn, von Hosea sagst, trifft
wohl zu. Keiner hat über Religion tiefere Worte ge-
sagt als die, die du soeben angeführt. Sie sind der
Grundstein, auf welchem Jesaja seine innere Welt ge-
baut — seinen lebendigen Gottesglauben. Ich sage
nicht zuviel, wenn ich behaupte, daß er uns eine neue
Pforte zum Himmel geöffnet. Deutlicher als irgendeiner
vor ihm zeigte er uns die Lebensmacht, mit der wir am
meisten rechnen müssen: Das Unsichtbare. Dieses
Unsichtbare umhüllt den Einzelnen sowohl wie die
Völker, es ist in allem und bewegt alles. Es ist stärker als
unsere Stärke, weiser als unsere Weisheit. Wir alle, von
den Kleinsten bis zu den Größten, sind eingefügt in eine
unerbittliche, gottgewollte Ordnung, die wir nicht un-
<< prev. page << föreg. sida << >> nästa sida >> next page >>