- Project Runeberg -  Schweden : historisch-statistisches Handbuch / Erster Teil : Land und Volk /
366

(1913) [MARC] Author: Joseph Guinchard
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - III. Staatsverfassung und Verwaltung. Einl. von E. Hildebrand - 5. Kirchliche Verhältnisse. Von K. B. Westman

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366 III. »TA ATS VERFASSUNG UND VERWALTUNG.

deutlich zu merken. Henrik Schartau (1757—1825), zweiter Domprediger in
Lund, wurde durch seinen Einfluss auf die Studierenden an der Universität
Begründer einer in Süd- und Westschweden stark eingreifenden
kirchlich-pietisti-schen Richtung, des Schartauanismus, bekannt durch seine Betonung der
Gesetzmässigkeit in der religiösen Entwicklung des Einzelnen (»Gnadenordnung») und
der Machtbefugnis des Geistlichen (Privatbeichte.). Der Einfluss dieser Richtung
verband sich zu grossem Teil mit den hochkirchlichen Tendenzen der Lunder
Theologie um die Mitte des Jahrhunderts.

Seit etwa 1840 erhob sich — parallel gehend mit der gleichfalls aus
religiösen Motiven entsprungenen Ahstinenzbewegung (P. Wieseigren) — eine mächtige
neue religiöse Bewegung, der sog. Neuevangelismus, unter dessen Führern
besonders Karl Olof Rosenius, Laienprediger in Stockholm (1810—68), beeinflusst
durch den Altpietismus und den Methodismus, zu nennen ist. Er betonte die
Bekehrung des Einzelnen, die gegenseitige Gemeinschaft der Gläubigen in der
Absonderung von der Welt und in der Arbeit für das Reich Gottes; die Ordnungen
der Kirche und die kulturellen Aufgaben wurden demgegenüber zurückgesetzt.
Die Träger der Bewegung waren zum grossen Teil Laienprediger.
»Missionsvereine» wurden gebildet und »Missions»- oder »Bethäuser» überall gebaut. Ihre
Organisation erhielt die Bewegung 1856 durch die »Evangelische
Vaterlandsstiftung» <Evangeliska fosterlandsstiftelsen), die in freiem Anschluss an die Kirche
arbeiten wollte. Der politische Liberalismus nach der Mitte des Jahrhunderts
hob das Konventikelplakat (1858) auf und führte eine Dissidentengesetzgebung
und im Zusammenhang mit der Abschaffung der ständischen Reichstage eine
neue Vertretung für die Kirche, die Kirchenversammlung (»kyrkomötet») (1863)
ein. Von örtlicher Bedeutung für die finnische und lappische Bevölkerung in
den nördlichsten Grenzbezirken (auch in Finnland und Norwegen) war der
Laestadianismus, benannt nach dem gewaltigen Strafprediger L. L. Laestadius
(1800—61); er verlangt öffentliche Beichte und Sündenvergebung vor der
Versammlung der Gläubigen; eine Eigentümlichkeit bilden die extatischen
Erscheinungen (»liikutuksia», d. h. »Bewegungen») bei den Versammlungen. Von der
Yaterlandsstiftung zweigte sich 1878 unter Führung von P. P. Waldenström
(geb. 1838) eine grosse Gruppe ab, die auf Grund eines ausgesprochen
kongre-gationalistischen Gemeindeideals die Staatskirche verwarf (Waldenström hegte
auch gewisse abweichende Ansichten in der Versöhnungslehre), und schuf sich
einen eigenen Mittelpunkt in dem Schwedischen Missionsbunde (»Svenska
missionsförbundets). Obwohl formell noch der Kirche angehörig, bilden die
Mitglieder desselben (»die Freikirchlichen») tatsächlich eine Freikirche mit eigenem
Vorstande und Sakramentsverwaltung durch eigene Prediger (betreffs des
Abendmahls; hinsichtlich der Taufe variieren die Standpunkte von baptistischen
Sympathien bis zur Anwendung der Geistlichen der Staatskirche).

Von grosser Bedeutung für die gebildeten Klassen war der einheimische
nationale Idealismus, der unter Anknüpfung an Geijer von C. J. Boström (gest. 1866)
ausgebildet wurde. In gewissem Grade kritisch gegen die kirchliche Lehre, bahnte
diese Philosophie moderneren theologischen Richtungen den Weg; andererseits
stellte sie sich — so z. B. in Viktor Rydbergs (1828—95) späterer
Wirksamkeit als Dichter und Denker — in scharfen Gegensatz zu den materialistischen
und religionsfeindlichen Anschauungen, die in der Literatur seit Beginn der
1880er Jahre und bald auoh in weiteren Kreisen durch den Industrialismus
und die Sozialdemokratie grosse Ausbreitung gewannen. Eine religiöse
Erneuerung ist gegenwärtig wieder in vollem Gange — man beachte das erneute
Hervortreten des religiösen Bedürfnisses in der Literatur (Selma Lagerlöf, der
spätere Strindberg) —; sie kommt besonders in der kirchlichen Arbeit zum
Ausdruck, die durch zunehmende Lebenskraft (»Jungkirchlichkeit», »Uppsalaer
Bewegung») ihr Gepräge erhält. Mit der Aufnahme neuer Arbeitsmethoden,

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