- Project Runeberg -  Upsala Universitets Årsskrift / 1862 /
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Beiträge zur Kenntnis von dem Gebrauch des Konjunktivs im Deutschen. 45

wechfelfeitig herbei gefährte schwächung des begriffes und der formen,
ein natärliches moment in jener grosen entwicklung der indo-europäi-
schen sprachen, die, meines wissens zuerft von FRIEDRICH SCHLEGEL !)
besprochen, jetzt als iäbergang von fyntetischer zu analytischer natur
allgemein anerkannt ift. Und wenn sprachliche erscheinungen iberhaupt
nicht nur einfeitig aus einer jeder betreffenden sprache, [ondern öfters
durch einen vergleich mit den verwandten sprachen ihbre erklärung oder
bestätigung gewinnen, fo ift folches befonders diesmal der fall: D:r
LATHAM, der einzige oder doch der erfte englische sprachforscher, der
die prinzipien der geschichtlichen sprachforschung auf feine mutter-
sprache in anwendung gebracht hat, fagt ?): the only true subjunc-
tive inflection in the English language is that of were and wert,
as opposite to the indicative forms was and w ast; und im schwedi-
schen hat der konjunktiv des präfens nur noch imperative, des präteri-
tums faft nur kondizionale bedeutung. Das deutsche hat denfelben weg
eingeschlagen, hält aber noch eine glöckliche mitte, und, wenngleich
es uns hier vorzugsweife darum zu tun war, eine erscheinung, die fär
die schweftersprachen schon lange anerkannt war, auch fir die deutsche
zu beweifen, fo därfen wir doch noch mit vollem fug auf fie die worte
des dichters anwenden:

treu wie fich schmiegt das gewand an die formen des badenden mäd-

chens ,
läst die geföhle fie febn, und der ideen gestalt.

!) In dessen Sprache und Weisheit der Indier. Ein Beitrag zur
Begrändung der Alterthumskunde. Wien 1846. (Im achten bande der neuen
original-gefammt-ausgabe).

2) The English Language. By R. G. LatHAw. Fourth Edition. Lon-
don 1855. II: 242.

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