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DIE FRÜHDRUCKE DES NIEDERDEUTSCHEN PLENARIUM 219
merken, dass als Auszeichnungsschrift eine Type gedient hat, deren
Hauptmasse entschieden der grösseren Missaltype des Matthäus Brandis von 1486
entnommen ist; sie ist nur deshalb nicht ohne weiteres erkennbar, weil mit
ihr stets die Majuskeln M, G und V aus der kleineren Missaltype verwendet
werden. Auch hier fehlt merkwürdigerweise der Type ein eigenes F, und
an seiner Stelle wird sechsmal das durch Abfeilen zurecht gestutzte E
verwendet. Die Type macht durchaus den Eindruck der Abnutzung, ähnlich
wie sie, nur in noch stärkerer Mischung, in den Horae Lincopenses et
Sca-renses auftritt, die Collijn als einen Druck des Vadstena-Klosters erwiesen hat.
Übrigens lässt es sich in diesem Falle direkt beweisen, dass dem Drucker
davon nur ein recht bescheidener Vorrat zur Verfügung gestanden hat. Der
niederdeutsche Schriftgebrauch bringt es mit sich, dass ziemlich häufig der
Buchstabe y (in Worten wie eyne, Mydweke, Frydaghe) gebraucht wird. Ein
solches y ist in leicht erkennbarer Weise verstümmelt worden, und dieser
verstümmelte Buchstabe findet sich in gewissen Teilen des Druckes nicht nur
fast in jeder Lage, sondern einmal sogar auf beiden Gegenseiten derselben
Lage. Es müssen also die Formen der Vorderseiten dieser Lage bereits wieder
abgelegt gewesen sein, ehe die Formen der Gegenseiten gesetzt worden sind.
Und das geschah, obwohl die ganze Lage überhaupt nur 7 y der
Auszeichnungsschrift erforderte! Der Letternvorrat scheint demnach nur ein
ausser-ordentlich kleiner gewesen zu sein.
Der Initial-Schmuck dieser Ausgaben steht gegenüber den früheren sehr
zurück.1 Es werden eine Anzahl mehr oder minder gemusterter, weiss auf
schwarz gedruckter Zierinitialen von 22X20 mm verwendet, aber ihre
Ausführung ist viel roher, als bei den entsprechenden Buchstaben der früheren
Drucke. Ich bin nur noch ein einziges Mal einer Initiale dieser Gruppe an
anderer Stelle wiederbegegnet, nämlich einem I, welches am Anfang der
»Historie van twen Kopluden» auftritt, einem Drucke mit der Texttype des
Alanus-Druckers und der grösseren Missaltype des Matthäus Brandis als
Auszeichnungsschrift. Dazu kommen einige grössere Lombarden von 16—17 mm
Höhe vor, die aber gleichfalls den Eindruck machen, als ob sie schon sehr
lange gedient hätten. Auch begegnen wir wieder dem Alphabet von kleinen
Lombarden, 7 mm hoch, das wir aus der Ausgabe von 1492 kennen und
das im Breviarium Othinense von 1497 wiederkehrt. Ausserdem sind zu
erwähnen ein lombardartiges I, das zur Hälfte schwarz und weiss gemustert
ist, und ein anderes grösseres, am Rand der Kolumne angebrachtes Initial-I,
das insofern bemerkenswert ist, als es offenbar von demselben Stocke ge-
1 Gesellsch. f. Typenkunde, Taf. 833.
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