Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - 24. Vorwärts nach Lhasa!
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306 Vierundzwanzigstes Kapitel.
Hauptftadt befinden würde, hatte ich auf diejes an und für jich wahn-
wißige Unternehmen nicht verzichten wollen. Was ich dadurch ge=
winnen wollte? Wieleicht die Gelegenheit, ein Bild von Lhasa zu
geben, einen Plan der Stadt und ihrer Tempel? Nein, diese Stadt
ift in jeder Beziehung viel besser befannt als irgendeine andere Stadt
im innersten Afien, weil fie jo lange Gegenjtand der Neugier aller
Europäer gewefen ift. Die Russen haben Burjaten, Die Engländer
Punditen, alles wissenschaftlich gebildete, Eluge Leute, mit den vorzüg-
fichften Instrumenten verjehen, dorthin gejchiet, und wir bejißen
daher jowohl gründliche Beschreibungen wie Pläne und wissen, wie
man in Lhasa Iebt, dem Rom, Zerufalem und Meffa des Lamaismus.
„Aber was hatteft du vernünftigerweife dort zu juchen?“ fragt
der Leser. Es war wohl das Blut des alten Wifing, das jich in mit
vegte; ich jehnte mich umwiderftehlich nach einem Abenteuer, ich wollte
mich nad) all der Ruhe in der⸗Wüste in eine Lage jtürzen, wo das
Leben an einem Haare hängen- jolte, wollte mich jo tief in lebens-
gefährliche Situationen verwideln, daß es mit jedem Tage jchwwieriger
werden würde, mich wieder herauszuwinden. Cs ift vielleicht ein
großer Fehler bei mir, aber ich kann nicht dafür, daß mir ein um-
ficheres, gefährliches Leben mehr zujagt als ein ruhiges umd sicheres.
Ein Sieg, den man sich durch Mühen erkämpft, ist mehr wert als jeder
andere, und das Leben ist demjenigen besonders teuer, der fühlt, daß er
jeden Augenblick Gefahr läuft, es zu verlieren. Alles dieses lockte mich
unwiderstehlich; ich wollte meine Nerven stählen und zeigen, daß ich
es wagte, mit nur zwei Begleitern gerade in den Haufen von Tibetern
hineinzureiten, und ich war entschlossen, nicht eher nachzugeben, als bis
man uns absolut unwiderstehliche Hindernisse in den Weg legte. Und
wenn dies geschähe, würde ich mit unerschütterlichem Gleichmut umkehren,
denn dann würde ich meinen Ehrgeiz befriedigt haben. Hiermit verglichen,
spielte es keine Rolle, ob ich die heilige Stadt sah oder nicht, ich kannte
sie schon zur Genüge. Der Lama hatte mir ihre Straßen, Plätze und
Tempel schon beinahe bis zum Überdrusse beschrieben. Und Tempel
würden wir in Westtibet übergenug sehen, wenn wir je soweit gelangten.
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