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EINE MUSIKALISCHE RELIQUIE DER KGL. BIBLIOTHEK IN STOCKHOLM^
III pl. XIX, XXIII und XXV, wo die Buchstaben innerhalb und
merkwürdigerweise auch am Anfang jeder Zeile geschrieben sind.
Mit dem e im Zusammenhang steht die Neumenschreibung der
Fragmente. Es bedarf nämlich nicht langer Untersuchungen, um zu beobachten,
dass unsere Neumen in Schreibfelde bald höher bald tiefer gesetzt sind. Gleich
in der ersten Zeile von Blatt lr ist ihre verschiedene Lagerung
offensichtlich. Die Neumenreihe beginnt in einer Mittellage, steigt dann zu Beginn
der dritten Silbe von innocentes, fällt auf dieser, geht allmählich wieder in
die Höhe, zweimal am Ende der Zeile. Ähnliches lässt sich in den folgenden
Zeilen verfolgen. In der letzten Zeile stehen die Puncta über regnavit in
einer geraden Linie und zwar in der Höhe, die durch den zweiten Ton des
Podatus auf -nus erreicht wurde. Man vermutet da eine Aussprache der
Silben von regnavit auf demselben Ton. Hält man unsere Neumen gegen
andere Neumierungen derselben Zeit, z. B. aus St. Gallen, die mehr oder
weniger in eine wagerechte Linie geschrieben sind, so fallen sie gerade durch
die grundsätzliche und verschiedene Anordnung in Räume auf. Sollten sie
etwa dem Verlauf der Melodie in die Höhe und Tiefe entsprechen? Um in
dieser Angelegenheit klar zu sehen, braucht man unsere Neumen nur gegen
eine Neumierung auf dem guidonischen Liniensystem zu halten oder, was
bequemer ist, gegen die Lesart der vatikanischen Gradualausgabe. Das
Ergebnis ist das vermutete. Wir haben hier eine intervallmässige Neumierung vor
uns, d. h. eine solche, welche die Neumen dem Verlaufe der Singweise gemäss
zeichnet und sogar die Gruppenzeichen demgemäss dehnt oder verengt. Diese
Beobachtung bestätigen die andern erhaltenen Blätter, und man muss sagen,
dass die ganze Handschrift in dieser Weise geschrieben war.
Eine solche Handschrift englischer Herkunft war bisher nicht bekannty
und so kommt unseren Blättern bis auf Weiteres der Wert eines Unicum in
der Neumengeschichte dieses Landes zu. Damit werden aber andere Probleme
aufgeworfen, die für unsere Kenntnis von der Entwicklung der Neumenschrift
überhaupt von grösstem Belang sind.
Es galt bis vor kurzem als ausgemacht, dass die Neumen ursprünglich
so wie es bei den sanktgallischen der Fall ist, ohne Rücksicht auf die
Intervalle der aufzuzeichnenden Melodien einfach in einer mehr oder weniger
wagerechten Linie nebeneinander geschrieben wurden. Die zahlreichen,
namentlich französischen Gelehrten des vorigen Jahrhunderts, die sich um die Neumen
bemühten, vertraten alle diese Auffassung, und zuletzt haben die Benediktiner
von Solesmes, Dom J. Pothier und A. Mocquereau an der Spitze in der
Paléographie Musicale sie zum Ausgangs- und Angelpunkte ihrer gesammten
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