- Project Runeberg -  Studien über das ungehörnte Rindvieh im nördlichen Europa unter besonderer Berücksichtigung der nordschwedischen Fjellrasse, nebst Untersuchungen über die Ursachen der Hornlosigkeit /
29

(1896) [MARC] Author: Erik Oskar Arenander
Table of Contents / Innehåll | << Previous | Next >>
  Project Runeberg | Catalog | Recent Changes | Donate | Comments? |   

Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - Die Farbe des ungehörnten Rindviehs im nördlichen Europa - Schlußfolgerungen

scanned image

<< prev. page << föreg. sida <<     >> nästa sida >> next page >>


Below is the raw OCR text from the above scanned image. Do you see an error? Proofread the page now!
Här nedan syns maskintolkade texten från faksimilbilden ovan. Ser du något fel? Korrekturläs sidan nu!

This page has never been proofread. / Denna sida har aldrig korrekturlästs.

EE

E

vorsichtiger und gewissenhafter Forscher wie Boyd-Dawkins*) sich erlaubt hat. - Berü>k-
sichtigen wir weiter das, was Darwin schon hervorgehoben hat**), nämlich, daß „verschiedene
Geologen auf Grund direkter Belege davon überzeugt sind, daß solche Zeiten (von äußerst
strenger Kälte wie während der Eiszeit) shon während der Eocän- und Miocänperioden vor-
handen waren,“ so fann es möglich sein, daß die ungehörnten schon im Beginn der Pliocän-
zeit auf ein fleines Häuschen reduzirt waren, gegen die Grenzgebiete des Binneneises hin
zurückgedrängt und durch natürliche Zuchtwahl an ihre Umgebung angepaßt und mit der
weißen Farbe versehen, die sie noh heute besißt. Jn diesem Falle wäre also die Farbe von
einem sehr hohen Alter, aber wenn wir auch ein so hohes Alter der Farbe absprechen
wollen, so müssen wir doh immer annehmen, daß sie seit Beginn der Eiszeit existirt hat,
und daß sie während dieser Zeit befestigt worden ist in dem dann herrschenden schweren
Kampfe ums Dasein. Jmmerhin bleibt also ein schr hohes Alter zurü>, genügend um diese
große Vererbungskraft der weißen Farbe, selbst wenn sie durh Rückschlag entstanden ist, zu
erflären. —

Wie wir angedeutet haben, ist es also äußerst wahrscheinlich, daß die ungehörnten
Rinder schon beim Beginn der Eiszeit gegen die Peripherie des Verbreitungsgebietes der
Rinder nah der Nordgrenze Europas zurückgedrängt waren, wo sie shon dur<h natür-
liche Zuchtwahl weiß geworden waren.

Schwere Zeiten folgten dann. Die große Uebereisung des nördlichen Europas
beginnt. Die Kälte nimmt immermehr zu — sfreili<h im Laufe von Zeiträumen, die
mindestens zu 10000 Jahren zu rechnen sind. Gewaltige Eismassen beginnen sih über das
Festland Nord-Europas zu verbreiten. Wie eine verheerende Feuersbrunst vertilgen die vor-
dringenden Eismassen alles Pflanzen- und Thierleben. — Was nicht erliegen will, muß süd-
wärts wandern. Die s{hon vorher zusammengedrängten ungehörnten Rinder werden nebst
den übrigen Resten der Fauna immer weiter und weiter nah Süden getrieben.

Dabei stoßen sie unaufhörlich auf ihre gehörnten Nachkommen, die nur ganz all-
mählich nah Süden weichen konnten, weil der Weg, dort wenigstens zum Theil von Ge-
wässern und Gebirgen gesperrt ist. Aber Noth kennt kein Gebot. Die vorher über ein
weiteres Gebiet verbreiteten Rinder, die an und für sih großes Vermehrungsvermögen haben,
müssen sih jetzt innerhalb eines kleinen Gebietes zusammendrängen. — Jn demselben Maße
muß indessen der Kampf zwischen den verschiedenen Individuen und Typen um so erbitterter
werden und die natürliche Zuchtwahl um so s{<härfser wirken, besonders unter den Rindern
selbst, da, wie Darwin bewiesen hat®**), „der Kampf immer am schärfsten zwischen EE
mit denselben Bedürfnissen d. h. von derselben Art ist.“

Eingedrängt zwischen dem Eise im Norden, wo Hunger und Tod drohten, und ihren
gehörnten Verwandten im Süden, die nicht viel milder waren, wenn ihre Weideplätze beseßt
wurden, überall von Raubthieren (wie die Funde dieser Zeiten darlegen) umgeben, ist es
leicht CrO, daß die ungehörnten einer außerordentlich strengen natürlichen Zuchtwahl

*) Americ. Naturalist 1887, S. 1077.
**) Darwin, Die Entstehung der Arten, S: 432.
**#*) Darwin, Die Entstehung der Arten, S. 125.

<< prev. page << föreg. sida <<     >> nästa sida >> next page >>


Project Runeberg, Sun Dec 10 02:15:19 2023 (aronsson) (download) << Previous Next >>
https://runeberg.org/fjellrasse/0031.html

Valid HTML 4.0! All our files are DRM-free