Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - VII. Der Religionsunterricht
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— 334 —
söhnungsforderung veranlasst, hörte ; und mit zehn
Jahren an meine Leugnung von Gottes Vorsehung,
als ein junger Arbeiter von seiner Frau und seinen
fünf Kindern wegstarb, die ihn so notwendig
brauchten. Meine Grübelei über die Existenz
Gottes nahm damals die Form einer Herausforde-
rung an, und ich schrieb in den Sand : Gott ist
tot und dachte dabei : giebt es einen Gott, so tötet
er mich jetzt mit einem Blitze ! Aber da die Sonne
immer weiter schien, war die Frage bis auf weite-
res beantwortet — um doch bald wiederzukehren.
Ich hatte keinen anderen Religionsunterricht, als
ein kurzes Bibellesen des Morgens, die Predigt am
Sonntag — und Katechismuslektionen, die nie er-
klärt wurden. Das neue Testament hingegen ge-
hörte zu meinen „Unterhaltungsbüchern". Ich
lernte darin Jesus mit derselben Innigkeit lieben
wie andere grosse Persönlichkeiten, von denen ich
las. Aber als ich dann während der Konfirmations-
zeit Bibelerklärungen erhielt, wo jeder Punkt, jeder
Name in den Evangelien ausgelegt war, jeder Satz
haargespalten, um die Erfüllung der Prophezei-
ungen und den erbaulichen verborgenen Sinn jedes
der früher so einfachen Worte zu zeigen — das
Dreieinigkeitsdogma war auf diese Weise schon
im zweiten Verse der Genesis enthalten — da war
es für mich eine traurige, grosse Entdeckung : dass
das lebendige Buch meines Kinderherzens und mei-
ner Kinderphantasie so steintot sein konnte ! So-
wohl für die reHgiöse Gleichgiltigkeit, die oft die
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