- Project Runeberg -  Kyrkohistorisk Årsskrift / Tjuguandra årgången, 1922 /
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(1900)
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - R. Reitzenstein, Vorchristliche Erlösungslehren

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I O 2

R. REITZENSTEIN

ja auch bei dem eng verwandten, aus derselben Urheimat
stammenden arischen Teil des Indervolkes die priesterliche
Spekulation 1 sich von den alten Volksgöttern zu entfernen, den
Gegensatz zwischen der sichtbaren Welt und dem Geiste, den
auch Zarathustra kennt, zu empfinden und nach einer Lösung
von ersterer zu suchen. Nur waltet hier nicht mehr der wohl
ursprüngliche Gedanke eines Kampfes gegen das Böse und die
Sünde oder gar der frohe Glaube, dass das Licht und das Gute
einen letzten und ewigen Sieg erringen müssen. Immer klarer
wird die Tendenz dieser Spekulation: Erkenntnis des Seienden
(Geistigen) soll von dem Leide der Welt (der Materie) befreien.
Ein ungeheurer Unterschied, der von nun an die Frömmigkeit,
ja das ganze Empfindungsleben der beiden stammverwandten
Nationen scheidet.

Fremd und unfassbar stehen beide zunächst dem
Empfindungsleben der Griechen, fremd aber auch dem Empfinden der
semitischen Völker Vorder- und Mittelasiens gegenüber. Sie
fassen die Gottheit noch ganz anders naturhaft, bestenfalls als
die mächtige Naturkraft, die das irdische Geschehen beherrscht,
und die priesterliche Spekulation, die auch hier, z. B. in der
babylonischen Astrologie, sich entwickelt, trägt einen ganz
anderen Charakter und haftet viel mehr an dem Diesseits. Wenn
einige von ihnen, die Vorstellung eines Naturgottes, der in
einem Teil des Jahres die Kraft verliert, verschwindet oder gar
stirbt, nachträglich mit der unklaren Vorstellung verbinden, dass
der Mensch an dessen Geschick durch gewisse
Zauberhandlungen Anteil gewinnen kann, so lässt sich dies Hoffen auf ein
Fortleben doch nicht mit dem Erlösungsglauben vergleichen,
der die Scheidung zweier Reiche und eine gewisse Abkehr von
dem Diesseits von Anfang an verlangt. Aber die starke
Betonung der Ethik in einem Teil dieser Völker gibt doch auch
wieder ihrem ganz auf das Diesseits gerichteten Denken eine
Verbindung wenigstens mit der religiösen Spekulation des zur

gehört habe, Meyers Erklärung direkt widerspricht, dass Zarathustra die
Elementenliste gar nicht erfunden haben kann, weil sie auch in China bezeugt ist,
dass er endlich, gerade weil er die materielle Welt streng von der geistigen
schied, die alten Schutzgottheiten umgestalten musste, ohne damit freilich
voll durchzudringen, führe ich hier nicht aus. Der Manichäismus zeigt in
Auswahl und Verwendung wieder das Ursprüngliche.

1 Sie scheint freilich gerade auch hier schon über den Priesterstand
herausgedrungen zu sein.

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