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VORCHRISTLICHE ERLÖSUNGSLEHREN I I I
ist, ein Allgemeinbegriff, die Gesamtheit oder der Stamm der
Seelen, die mit ihm und in ihm in die Welt herabgekommen
sind, und mit ihm und in ihm einst in Gott zurückkehren werden.
Aber er liegt auch als der verborgene Adam im Herzen
jedes einzelnen; in der Materie erscheint er als gefesselt oder in
trunkenem Schlummer liegend; er muss erweckt werden, wach
bleiben, endlich aufsteigen. Für diesen Aufstieg aber haben
all diese Religionen seit Zarathustra in friedlichem
Nebeneinander zwei Vorstellungen, die sich, streng genommen, gegenseitig
entwerten und religiös irrelevant machen und doch ebenso noch
in unserer Religion fortbestehen. Der Gesamtseele oder dem
Menschen als Kollectivbegriff bringt erst das Weltende die
Erlösung: die Toten stehen auf zum Gericht, und durch den
Feuerstrom gereinigt gehen die Guten in das ewige Reich des
Lichtes. Aber daneben heisst es auch, dass die Einzelseele,
beziehungsweise der Einzelmensch sofort nach dem Tode
Gericht und Himmelfahrt erlebt. In jedem einzelnen befreit die
Urseele oder der Urmensch sich wieder von der Materie, wie
er dies vollkommen bei dem Weltuntergang tut. Von der
generellen Vorstellung haben wir freilich im echten Zarathustrismus
ausser der grossartigen Schilderung des allgemeinen
Weltunterganges nur noch wenige, aber allerdings sichere Spuren. Nur
einmal erscheint jene einheitliche Urseele in einem Rückblick
auf die Kosmogonie, und nur einmal hören wir, dass der
Urmensch, der zuerst den Seelenstoff in die Welt
herniedergebracht hat, in mystischem Zusammenhange mit Zarathustra,
dem Erwecker der Seelen, steht, und wieder mit diesem sein
Sprössling, der Heiland, der beim Weltende den Sieg des
Lichtes vollenden wird: es ist in drei verschiedenen
Erscheinungsformen ein und dasselbe Gottwesen. Um so stärker
tritt im Manichäismus der Begriff des göttlichen »Menschen»,
das heisst des Urmenschen hervor. Er besteht aus den fünf
Gliedern des »weisen Herren» — hier Ormuzd —; sie bilden
dessen Selbst, das Ormuzd in die Fesseln der Feinde gegeben
hat, und das er aus ihnen wieder erlösen muss. So kann man
wohl sagen: Ormuzd weilt in der Materie, und er weilt doch
zugleich in dem völlig von ihr getrennten Lichtreich; er ist
die Seele und zugleich ihr Erlöser; erst, wenn er sie erlöst und
wieder mit sich vereinigt hat, ist er selbst der volle, oder, wie
es hier heisst, der neue Gott. Man kann diesen Gedanken bis
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