- Project Runeberg -  Kyrkohistorisk Årsskrift / Tjuguandra årgången, 1922 /
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(1900)
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - R. Reitzenstein, Vorchristliche Erlösungslehren

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vorchristliche erlösungslehren

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es liegen und eine Art Gegenbild zu jener Vereinigung der
Teile oder Glieder bilden. Eine ganz eigentümliche
Rechnungsart bildet sich dabei, und zwar, wie es scheint, ebenso in
Indien wie im Iran, die zu der Zahl der Teile immer noch Eins
addiert, um die Zahl des Dinges zu erhalten: das Jahr ist
Dreizehn, denn es hat zwölf Monate und das Selbst.1 Aber
liegt so das Selbst im Innern des Körpers, so wird es
notwendig auch jetzt der Odem, die Seele, das Bewusstsein oder
Wissen. Die Seele wird damit individualisiert, und im Iran scheint
man dazu früh übergegangen zu sein, während man in Indien
um Buddhas Zeit aus denselben Praemissen den umgekehrten
Schluss zieht: ist das Selbst nicht der Körper und ist die Seele
ein Kollectivbegriff, so gibt es im strengen Sinne überhaupt kein
Selbst bei uns; unser Selbst ist das allgemeine Selbst; nur das
Haften am Körper, der doch nichts mit uns selbst zu tun hat,
lässt ein ganz irrtümliches Ich-Gefühl in dem einzelnen
entstehen, das dann zum Empfinden des Leides führt; wir sind von
ihm erlöst, sobald wir wissen, dass wir ein Ich gar nicht haben.
Ungeschultes Denken verbindet sich mit einem starken Drang
zur Dialektik. Im Iran bringt ein ähnlich starker Drang zur
Ethisierung der Religiosität eine letzte und höchste Steigerung:
unser Selbst ist die sittliche Persönlichkeit in uns. Ich
wundere mich nicht, dass der Ernst und die Tiefe des sittlichen
Empfindens einen Philosophen, dem ich davon erzählte, darin
ein dunkles Vorahnen des «intelligiblen Charakters» bei Kant
sehen Hess. Aber gerade hier können wir die Benutzung ganz
primitiver Anschauungen mit Sicherheit erschliessen. Im
opferfrohen Indien sehen wir eine alte Vorstellung, nach welcher das
im Feuerdampf zum Plimmel aufsteigende Opfer zum Selbst des
Opferers wird, und der Gedanke, dass das beste Opfer an die
Götter sittliche Reinheit ist, begegnet uns nicht nur bei
griechischen Denkern und Dichtern oder in jüdischer Frömmigkeit,
es ist wirklich ein Mensch heitsgedanke, der unabhängig
überall entstehen kann, wo tiefer Drang nach sittlicher Reinheit
die Volksreligion vergeistigen will. So bildet sich im Iran die
neue Anschauung: aus unsern Taten, Worten und Gedanken,
die alle zum Himmel aufsteigen, bildet sich ein überirdisches
Selbst, ein Gegenbild der Seele, wenn sie gut sind, ein jugend-

1 Es ist "so gross als sie alle zusammen», ist also das Gegenbild ihrer
Gesamtheit. Genaueres bietet mein Aufsatz in der Historischen Zeitschrift
126, S. i ff.

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