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i o 2 r. reitzenstein
schönes Mädchen, wenn sie schlecht sind, eine widrige Alte, und
führt uns im ersten Fall in die Lichtwelt zu Gott, im zweiten
in das Dunkel der Hölle. Schon in Zarathustras Zeit hat das
religiöse Empfinden diese Tiefe erreicht, und es ist mir nicht
gleichgültig, dass gerade diese Gedanken voll von Mani
übernommen werden, ja dass er sie noch weiter ausgestaltet: auch
sein Gott Ormuzd hat fünf gewissermassen elementare und fünf
geistige (himmlische) Glieder, und diese letzteren sind
Tugenden. Er folgt freilich auch hier nur älteren iranischen
Spekulationen, das beweist das dreizehnte Kapitel des Hermetischen
Corpus, die ganz iranisch beeinflusste Lehre von der Vergottung,
bei der der neue, unsichtbare Leib (also der Charakter) im
wesentlichen aus Tugenden zusammengesetzt wird, und beweist nicht
minder das dritte Kapitel des Kolosserbriefes, das man mit der
Hermetischen Lehre vergleichen muss: die Christen, die ja gestorben
sind, sollen »ihre Glieder auf Erden» absterben lassen — es sind, wie
in jener Lehre, die Laster —- und den neuen, nach dem Bilde
seines Schöpfers geschaffenen Menschen anziehen; auch er hat
fünf Glieder, Tugenden, die durch die sechste (ihr Selbst)
zusammengehalten werden. So wenig wie hier ist dabei in jener
alten iranischen Schilderung der Mensch sein eigener Erlöser
und sich selbst Gott. Wenn wir hören, in dem schönen
Mädchen geht Gott Ormuzd selbst, oder in der manichäischen
Umbildung der geleitende Weise, also Mani, früher sicher
Zara-thustra, als sein Stellvertreter der Seele entgegen, so empfinden
wir doch wieder, dass das Götterdrama zu Grunde liegt, nach
welchem ein Teil der Gottheit den andern befreit und erlöst.
Auch die Einzelseele, um die es.sich ja hier handelt, ist dabei
doch wieder der göttliche Urmensch, die grosse Seele, die einst
in die Materie versenkt war, ihr Erlöser Ormuzd, der nun
wieder mit ihr vereint als der volle Gott verehrt wird. Nicht der
Mensch, sondern der Gott erlöst sich selbst.
Natürlich richtet sich das noch ungeschulte Grübeln über
unser geistiges Teil auch nach anderen Seiten. Lässt sich doch
dies geistige Teil auch als das Leben oder als das Wissen und
Bewusstsein fassen. Im Iran finden wir sogar zwei
Bezeichnungen für die Seele, die eine nach dem Leben (Odem), die
andere nach dem Wissen oder Denken; bezeichnenderweise
fliessen sie freilich im Gebrauch in einander. Auch das
Lebensprinzip ist göttlich, ja Gott ist das Leben, sein Widersacher
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