- Project Runeberg -  Kyrkohistorisk Årsskrift / Tjuguandra årgången, 1922 /
118

(1900)
Table of Contents / Innehåll | << Previous | Next >>
  Project Runeberg | Catalog | Recent Changes | Donate | Comments? |   

Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - R. Reitzenstein, Vorchristliche Erlösungslehren

scanned image

<< prev. page << föreg. sida <<     >> nästa sida >> next page >>


Below is the raw OCR text from the above scanned image. Do you see an error? Proofread the page now!
Här nedan syns maskintolkade texten från faksimilbilden ovan. Ser du något fel? Korrekturläs sidan nu!

This page has never been proofread. / Denna sida har aldrig korrekturlästs.

k. reitzenstein

nämlich die Erweckung und Auffahrt eines mythologischen
Wesens, des Urmenschen oder der grossen Seele, als eine Art
Analogiezauber, damit nach ihrem Vorbild (ursprünglich wohl:
in ihr) die Seele des eben Verstorbenen zum Himmel aufsteige.
Wir erinnern uns, dass auch das Zarathustra-Lied so gebraucht
worden ist. Dieselben kultlichen Gaben werden, wie ja auch in
den manichäischen Liedern, dabei erwähnt; die Seele soll sie bei
ihrem Aufstieg tragen, äusserlich werden sie dem Toten
mitgegeben; es sind Lichtkleid und Lichtkranz, Diadem und
Wasserkrug; auch letztere beiden werden in dem verlorenen Teil des
Zarathustra-Liedes vorgekommen sein. Sehen wir weiter, so
finden wir den ganzen Inhalt der grossen manichäischen
Liturgie (des Liedercyclus), freilich in durchaus veränderter
Darstellungsform, wieder. Da wird der Himmelsbote als kleines
Kind hinausgesendet, um die Seele — auch hier heisst sie oft
die Perle — zu holen, und ihm als Lohn die höchste Würde
im Reiche seines Vaters verheissen; da wird der Aufstieg an den
sieben Straforten der Sünder vorüber, der Untergang der Welt
und die Bewillkommenung in der Heimat beschrieben; da ist
vor allem der Bote wie im Manichäismus das Abbild der Seele
und die Seele sein Abbild, zwei Hälften desselben Wesens, die
dereinst in derselben Skina zusammen wohnen werden.1
Andere Züge ergänzen das Bild, das wir uns bisher machen
muss-ten: im Meer der Materie muss die erweckte Seele oder der
Urmensch warten, bis ihr Flügel gebildet sind, um sich in die
Heimat aufzuschwingen; sie muss vor der Eisenmauer (oder:
den sieben Eisenmauern), die Lichtwelt und materielle Welt
scheidet, lange harren; ihr Lohn, ihre Werke, Almosen und
Wohltat führen sie an den auflauernden Wächtern der teuflischen
Zwischenreiche vorüber, wie in altindischen Texten die
Opfergaben die Seele bei dem Aufstieg führen. Grade im Indischen
kehren manche dieser im Manichäismus bisher fehlenden Züge

1 Wie in der Gefangenschaft hat die eine bisher gehaust; die sieben
Planetenherrscher (aus der babylonischen Religion stammende Neubildung)
und ihre Mutter Rüliä (Gegensatzbildung zu der spätjüdischen Weisheit) haben
sie bedrückt, im Totenreich ist sie gewesen, aber sie hat nichts von der
Speise ihrer Herrscher genossen (babylonischer Zug) und ist dort eine Fremde
geblieben. Der Begriff des Selbst scheint bei der Übertragung in die anders
geartete Sprache verloren gegangen und durch Bilder wie Abbild, Perle und
andere verdrängt zu sein.

<< prev. page << föreg. sida <<     >> nästa sida >> next page >>


Project Runeberg, Sun Dec 10 14:07:01 2023 (aronsson) (download) << Previous Next >>
https://runeberg.org/kyrkohist/1922/0132.html

Valid HTML 4.0! All our files are DRM-free